Die Überschuldung der Paraguayer

Asunción: Edward Arca, Leiter vom Zentrum für Schuldnerberatung, schlägt Alarm. Die paraguayische Gesellschaft, so Arca, werde als Folge des Mangels an finanzieller Bildung immer mehr in die Überschuldung gedrängt.

Gegenüber dem Radiosender Monumental AM berichtete der Spezialist, dass die meisten Anzeigen bei der Justiz und Gerichtsverhandlungen daraus resultieren würden, weil viele Menschen durch Anrufe oder Nachrichten in die Falle gelockt worden seien.

„Wer schon einmal Schulden hat greift zum letzten Strohhalm wenn es eng wird. Das sind dann meistens Geldverleiher, die horrende Zinsen oder Betrügereien vornehmen. Die Überschuldung ist ein Spiegelbild von dem Mangel an finanzieller Bildung“, sagte Acra.

Tausende, so der finanzielle Fachmann weiter, seien dem Konsumwahn durch Händler ausgeliefert, weil es einen Mangel an Informationen und der finanziellen Beratungen gäbe.

„Zu mir kam eine Person, die mehr als ihr ganzes Gehalt nur für ihre Bezahlung der Schulden verwendete. Auswege im Nachhinein finden ist immer schwieriger als sich vorher über Anschaffungen Gedanken zu machen“, erklärte Arca. Er fügte an, es würden Fälle existieren, bei denen die Schuldner ihr gesamtes Eigentum verloren hätten und dann auch noch das Gehalt gepfändet wäre. „Das ist sicherlich schlimm und ein Fehler. Es gibt Lösungen im Handelssektor, Zahlungsvereinbarungen zu erreichen und eine Insolvenz zu vermeiden“, erklärte Acra.

Carlos Fernández Valdovinos, Leiter von der Zentralbank in Paraguay (BCP), gab ebenfalls zu, dass es einen Mangel an Kontrolle der Finanzinstitute gäbe und eine Überschuldung der Paraguayer voran schreite. Mit den neuen Organigrammen will aber die BCP in Zukunft eine bessere Kontrolle über die Finanzhäuser ausüben, die Kredite anbieten.

Quelle: Ultima Hora

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5 Kommentare zu “Die Überschuldung der Paraguayer

  1. Schuld hat nicht nur die geringe Bildung, sondern in hohem Maße auch die gewissenlose Haltung der Verkaufsfirmen. Ihnen ist es offensichtlich völlig egal, in welch prekäre Situation sie die Käufer bringen – Hauptsache der Umsatz stimmt. Dann die permanente Kreditwerbung über Handys. Es vergeht doch kein Tag, an dem ich nicht wenigstens 2-3 entsprechende SMS bekomme. Dahinter wiederum stehen Firmen wie TIGO, CLARO usw. die gegen Provisionen die Handynummern ohne Einverständnis ihrer Kunden weiter reichen. Der Gesetzgeber, also die Politiker, wären gefordert, diesem unseligen Treiben ein Ende zu setzen. Dies ist dringend notwendig, denn eine überschuldete Gesellschaft gleitet immer mehr in die Kriminalität hinab. Ob die Politiker genug Intelligenz und Verantwortungsbereitschaft besitzen sich diesem Thema anzunehmen bevor es zu spät ist? Ist an diesem Kommentar etwas auszusetzen Ihr Paraguay-Versteher oder wollt Ihr mich schon wieder deshalb des Landes verweisen?

  2. Ich schätze mal, dass von 10 Kreditnehmern, 4 die Schulden der restlichen 6 bezahlen. Wenn es noch weniger werden sollten, dann kann dies zu einem ernsten Problem werden. Bis dahin wird es wohl heissen: verkaufen, verkaufen, verkaufen, egal wie. „Nach mir die Sintflut“

  3. Die lokalen Vertreter von Autoherstellern haben jährliche Quoten zu erfüllen sonst verlieren sie ihre Vertretung. Deshalb sinken die Preise, werden die Raten länger und die Reklame aufdringlicher. Im „google“ kann man Autohalden neuer nicht verkäuflicher Autos in den Industrieländern sehen, die nach paar Jahren gleich wieder verschrottet werden. Der Industriezweig könnte wohl für ein paar Jahre ganz geschlossen werden, was aber zu gravierenden soziale Probleme in den jeweiligen Ländern führen würde. Wahrscheinlich sieht es in anderen Industriezweigen ähnlich aus.
    Die Abnehmerseite ist natürlich durch Reklame und dem Glauben dass hoher Konsum glücklich macht bereit weit über ihre Verhältnisse zu leben. So werden Artikel mit immer kürzerer Haltbarkeit auf Raten gekauft. Teilweise sind sie vor bezahlen der letzten Rate schon kaputt.
    Dieses Problem ist nicht auf PY beschränkt sondern in den meisten Ländern der Welt dasselbe. Die Regierungen und deren Zentralbanken müssen deshalb die Zinsen niedrig halten und das Geldvolumen erhöhen so dass durch Inflation die Schuldenlast sich erträglicher gestaltet.

  4. In allen Läden, in denen z.B. Electrodomesticas verkauft werden, findet man auf den Preisschildern nur die Höhe der monatllichen Raten und deren Anzahl.
    Den Preis en efectivo erfährt man nur auf Anfrage.
    Der ist dann teilweise um die Hälfte niedriger als bei Ratenzahlung über z.B. 12 Monate.
    Zuerst sparen und dann kaufen ist nicht möglich.
    Das verhindern hier vor allem die Familienstrukturen.
    Sobald die Familie erfährt, daß eines der Mitglieder einige Guaranies hat, wird der Abuelo wegen eines Schnupfens für 3 Wochen ins Krankenhaus gebracht, der Tio läßt sich endlich operieren oder die Sobrina braucht neue Schulkleidung und andere Dinge für den Unterricht.
    Das Geld dafür nicht herauszurücken ist ein Ding der Unmöglichkeit, das geht hier schlicht und einfach nicht.
    Es ist aber kein Problem zu sagen, ich kann dir kein Geld geben, ich muß meine Cuotas bezahlen.
    Das Bezahlen auf Cuotas ist allerdings so normal geworden, daß sogar Dinge, die nur 20 000.- Gs kosten, auf 4 Cuotas abbezahlt werden, und dadurch fast das Doppelte kosten.
    Das ständige Schreien nach gesetzlicher Regulierung bringt doch nichts.
    Besser wäre es, den Menschen das Rechnen und logische Denken beizubringen.
    Aber auch dann wird sich wenig an diesen Zuständen ändern.

    Das Motto lautet: I want it all, and I want it NOW!

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