Ein Schuss in den Heizofen

Villeta: In der Ära Cartes wurden 80 Millionen US-Dollar aus Staatsanleihen in die staatliche Zementfabrik gesteckt, unter anderem dafür, um den Brennstoff von Schweröl auf Ölpellets umzustellen. Jetzt analysiert man wieder die Rückkehr zu Schweröl.

Bekannt als Wiege bestbezahlter staatlicher Funktionäre kam es unter Präsident Cartes zu einigen Entscheidungen, die man aus heutiger Sicht mit absichtlich herbeigeführt betiteln könnte. Ex-Präsident Cartes investierte letztes Jahr in seine eigene Zementfabrik in Concepción und übernahm 1:1 Pläne eines italienischen Investors, der ihm diese während seiner Amtszeit noch unterbreitete.

Unter Cartes investierte man rund 80 Millionen US-Dollar, um einen Heizöfen in Vallemí umzurüsten, der danach mit einem billigerem Brennstoff als dem Schweröl funktionieren sollte. Bei der INC sollte das Resultat eine höhere Menge und geringere Kosten sein. Der Präsident der INC, Ernesto Benítez, erklärte, dass heutzutage China und Japan all die Ölpellets aufkaufen und global gesehen weniger davon produziert wird. Dies führt zu einem höheren Preis obwohl Erdölderivate billiger sein müssten. Es ist eher so, dass Fueloil wieder günstiger ist als Ölpellets.

Am vergangenen 2. September musste eine Ausschreibung abgebrochen werden, bei der 30.000 t Ölpellets gesucht wurden. Für diese wurden Preise angeboten, die 77% über dem lagen, was die INC dafür maximal eingeplant hatte. Vor einer Woche sollten auf dem Direktweg wenigstens 7.000 t gekauft werden, ganz egal wie hoch der Preis ist, um die Produktion nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Am letzten Freitag kamen drei Offerenten mit Preisen von 297, 415 und 425 US-Dollar pro Tonne auf die INC zu. Die beiden hochpreisigen Angebote kommen von den paraguayischen Anbietern “Los Trigales“ (Spedition), “Kuatiapo“ (einem Papierimporteur), während Swiss Singapore Overseas Enterprises Pte. Ltd. ein in Dubai ansässiges Unternehmen ist was der INC mit Abstand den besten Preis offerierte.

Parallel dazu wird der Markt nicht ausreichend mit dem Produkt beliefert, was die Spekulation anheizt und das Wachstum einer Branche bremst.

Wochenblatt

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5 Kommentare zu “Ein Schuss in den Heizofen

  1. Solange es nicht mein eigenes Geld ist, sondern dasjenige des Steuerzahlers kann man das schon machen. Zumindest in Paraguay. Oh, jetzt kommen die Aufschreie, dass es in Deutschland noch viel schlimmer sei und um ganz andere Beträge geht. Ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen aus Politik- und Wirtschaftsfilz. Ja, das stimmt auch wieder.

  2. Wenn zwei dasselbe tun, ist und bleibt es dasselbe. Das ist aber nun wirklich kein Grund, die Kritik gegenüber dem einen als unwirksam zu erklären zu wollen, nur weil der andere ja dasselbe getan hat.

  3. Wenn ich so einen Artikel lese, steigt in mir eine Mischung aus Wut und Unverständnis hoch.
    Die Zementindustrie, wie auch jegliche Art von Produktionen, gehört nicht in staatliche Hände. Die sollen den Laden da dicht machen und einer Firma verkaufen, die das professionell und vor allem wirtschaftlich betreiben kann. Das kann meinetwegen Cartes machen, aber zumindest sollte eine Konkurrenzfirma erlaubt sein, sonst diktiert der wahre Herrscher Paraguays die Preise nach Gutdünken. Den Italienern haben sie wahrscheinlich Honig ums Maul geschmiert (Bienvenidos! Necesitamos urgentemente cemento) und dann kam Cartes und schon waren diese vergessen.
    Die Ausschreibung des INC schießt aber wieder mal den Vogel ab: Ein ausländisches Unternehmen ist viel günstiger als die paraguayischen – aber die „Fremden“ werden vielleicht „disqualifiziert“, offiziell weil da die Seitenzahlen im Angebot nicht durchgehend nummeriert worden ist oder die Unterschriften nicht 100 % identisch sind; inoffiziell natürlich weil da kein Amigo angestellt ist.
    So läuft das für gewöhnlich in Paraguay.

  4. Die Paraguayer sind einfach nur zu blöd und zu faul selber Brennstoffe herzustellen oder einfach nur den Müll und alte Reifen als Brennstoff zu nehmen. Einfach schauen was andere machen und was funktioniert kopieren. Dazu braucht es keine eigenen tollen ideen .

    1. Das finde ich sehr richtig, was Sie da schreiben. Ob der „Energiewert“ (oder wie ein Physiker dem korrekt sagt) von Reifen und Müll für die Zementproduktion reicht, das kann ich nicht beurteilen.
      Aber: Nicht nur, dass der Staat und die Kommunen mit Müllbeseitigung und Recycling Geld verdienen, die Umweltschonen, physische und psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen dezimieren und Arbeitsplätze schaffen könnte, nein, zu blöd, zu faul, oder beides.
      Müllbeseitigung und Recycling zu planen und zur erfolgreichen und gewinnbringenden Durchführung zu bringen erfordert etwas mehr als täglich 7 bis 11 Uhr Schul vielleicht abgeschlossen und es noch zum PY-Ingenieur, -Politiker (und Planer, aber Pläne außer Linken, Korruption und nicht ganz die Wahrheit habens eh nicht).

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