“Eingebettet in die deutsche Gesellschaft“

Asunción: Bei einem Exklusivinterview in deutscher Sprache mit dem Wochenblatt erklärt Präsidentschaftskandidat Carlos Mateo Balmelli unter anderem seine Sichtweise auf Deutschland, auf die Mennoniten und auf die Moral in der Politik.

Weswegen sprechen Sie so gut Deutsch? Haben Sie in Deutschland studiert?

Ich habe in Deutschland studiert, ich war sechs Jahre dort. Als ich in Mannheim bzw. Mainz ankam konnte ich kein Deutsch sprechen. Ich wurde konfrontiert mit der deutschen Sprache, was nicht so einfach war. Aber ich habe sie gelernt und bin glücklich darüber. Da ich auch die Wahl hatte in den USA oder Spanien zu studieren, bin ich im Nachhinein sehr zufrieden mich für Deutschland entschieden zu haben. Ich bin eingebettet in die deutsche Gesellschaft, was für mich eine neue Dimension war. Noch heute bin ich interessiert, was in Deutschland passiert oder aber auch an der deutschen Kultur. Ich genieße es deutsche Literatur zu lesen.

Was bedeutet Ihnen die Politik?

Was Politik für mich bedeutet ist nicht so wichtig. Was Politik für die Menschen bedeutet ist wichtiger. Wenn ich heute Politik mache denke ich an die Menschen, was Sie wollen. Mein Arrangement mit der Politik hat viel mit Moral zu tun. Demnach ist Politik ein moralisches Arrangement, ein Kompromiss, mit den Menschen. Man sollte nur Politik machen, wenn man will das Menschenrechte respektiert werden sowie wenn die Freiheit und die Umwelt respektiert werden sollen. Soziale Gerechtigkeit und Solidarität sollten in der Gesellschaft umgesetzt werden. Das waren meine persönlicher Kompromisse mit der Gesellschaft. Politik zu machen, ohne an die Menschen zu denken, ist verkehrt.

Was bedeutet Ihnen Literatur?

Ich wurde erst spät zum Schriftsteller. Ich schreibe jedoch schon lange. Mein erstes Buch verfasste ich in Deutsch, “Zur gegenwärtigen Verfassungsdiskussion in ausgewählten lateinamerikanischen Ländern“, was gleichzeitig meine Dissertation war. Danach habe ich auch noch andere Bücher über Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Essays über Globalisierung geschrieben. Die richtige Literatur ist spät in mein Leben gekommen. Es kam von allein, ohne mich verpflichtet zu fühlen. Literatur ist für mich ein Kompromiss, ein Einklang, aus Wörtern, Gefühlen und Gedanken.

Was sollte Ihrer Meinung nach in Paraguay schleunigst geändert werden?

Die Art und Weise wie Paraguayer Politik betreiben. Wir müssen unsere Politik transparent machen, moralisieren, politische Tätigkeiten müssen auf Werten basieren. Die heutige Politik in Paraguay ist eine Politik ohne Werte, gleichgültig, ein Kampf um Macht. Politik sollte mehr sein als das.

Worin sehen sie das größte Potenzial des Landes?

Ich denke, wenn wir unsere politischen Probleme lösen, kann das große Potenzial des Landes genutzt werden. Aus Paraguay könnte ein Land werden, in dem die Menschen gut leben können, wo wir die Armut bekämpfen können und gewinnen könnten. Das große Problem was wir heutzutage haben ist die Korruption, die allgegenwärtige Korruption. Aus diesem Grunde müssen auch die staatlichen Institutionen gestärkt werden.

Sie hatten eine unabhängige Kandidatur angekündigt, warum jetzt liberal?

In der Gesellschaft war ich nicht so aktiv genug, um eine unabhängige Bewegung machen zu können. Meine politische Vergangenheit war jedoch geprägt mit vielen Verbindungen zur liberalen Partei. Ich war immer in der liberalen Partei. Ich bin für eine Erneuerung der Politik von innen heraus. Es gibt meines Erachtens zwei Wege die Politik zu erneuern; ein Weg ist der mit der Gesellschaft, die jedoch nicht stark genug ist und nicht genügend an der Politik teilnimmt. Der andere Weg ist mit der politischen Gesellschaft. Der Wille zur Veränderung der Politik wird aus der politischen Gesellschaft kommen.

Wie stehen Sie zur Campesino-Schuldenerlass Problematik?

Das ist ein strukturelles Problem, was man nicht mit nur einer Zahlung erledigen kann. Subvention ist wie Brot für einen Tag. Die strukturelle Reform steht noch aus. Man muss aber auch nicht schlecht über Subventionen sprechen, die es in Europa gibt. Subventionen sind nicht das Problem aber auch nicht die Lösung.

Was wäre Ihr Plan als Präsident für den Chaco und die ansässigen Kolonien?

Ich denke die Mennoniten wissen genau was sie tun wollen. Sie sind erfolgreich. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Mennoniten weiterhin das tun können, was sie am besten können. Der Chaco hat ein großes Potenzial. Wir müssen jedoch die Umwelt und die Wirtschaftlich bewahren und in einem Gleichgewicht halten. Außer die nötigen Rahmenbedingungen, so glaube ich, brauchen sie keine weitere Hilfe von uns. Jeder im Land weiß, was sie geschaffen haben.

Legen Sie ihre Vermögensverhältnisse offen vor der Wahl?

Selbstverständlich. Ich habe das immer schon gemacht, nicht nur als Itaipú Direktor oder Senator. Immer wenn ich eine Position in der Regierung hatte, habe ich die moralische Verpflichtung eingehalten. Ich habe keine Angst, bin kein korrupter Politiker. Die Menschen, die mich kennen, wissen das und ich denke ein korrupter Politiker kann nicht durchsetzen, was Paraguay braucht. Wenn man korrupt ist, kann man viele Sachen, die notwendig sind, nicht umsetzen. Ich habe weder ein Auto der Regierung noch einen Liter Benzin benutzt. Ich bin ein ganz normaler Bürger, der sich für die Gleichheit vor dem Gesetz einsetzt.

Sollte man die „listas sabanas“ öffnen oder beibehalten?

Wir brauchen eine radikale Reform im Wahlsystem. Um diese umzusetzen schlage ich eine Verfassungsreform vor – ohne eine zweite Amtszeit. Fest steht auch, dass der, der die Reform in Auftrag gibt, nicht von den Änderungen profitiert. Die Wiederwahl in Paraguay ist ein Problem. Es sollte wie in Chile oder Uruguay sein, wo man unterbrochen wiedergewählt werden kann, jedoch nicht ununterbrochen wie in den USA.

Was halten Sie von der Flughafen APP und der Entscheidung des nationalen Kontrollamtes?

Ich habe heute gelesen, dass die Luftfahrtbehörde (Dinac) bisher 42 Millionen US-Dollar in den Flughafen investiert hat. Die Ausschreibungsgewinner wollen 100 Millionen US-Dollar in den Flughafen investieren. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein gutes Geschäft für den paraguayischen Staat ist. Ich denke, wir müssen warten und das der nächsten Regierung überlassen. Ich bin für Infrastruktur, aber wir haben nicht so viele Flüge, die nach Paraguay kommen.

Wie sehen Sie die Verschuldungspolitik der jetzigen Regierung an, die Staatsanleihen in Infrastrukturprojekte investiert?

Das Problem ist, wir nehmen Schulden auf aber wir investieren nie in die Infrastruktur, wir bezahlen nur andere Schulden. Wir haben ein strukturelles Problem in unserem Haushalt und wir müssen das lösen. Es braucht zudem eine Haushaltsreform mit einer Wirtschaft, die wirklich wächst. Die letzten Schulden, die aufgenommen wurden, waren meiner Meinung nur da, um Verwaltungskosten zu bezahlen, alte Schulden und an dritter Stelle für Infrastruktur.

Wochenblatt / Foto: Wochenblatt

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3 Kommentare zu ““Eingebettet in die deutsche Gesellschaft“

  1. Wen er mit rahmenbedingungen in Chaco Infrastruktur meint ist das schon was.Da fehlt es noch mächtig .Wege und Strom in entlegene ortschaften damit sie sich entwiklen würden.Wer das überall vorhanden,sie würden VIEL mehr steuer bekommen,mehr als sie daführ ausgeben weil mehr produktion generiert würde.

  2. Was will er gegen die EPP unternehmen? Wenn ich hier was zu sagen hätte, würde ich mir notfalls Hilfe aus USA/Brasilien holen und diese Truppe ggf. unter Einsatz von Drohnen & Satellitentechnik innerhalb einer Woche platt machen. Man weiß ja, wo die stecken, lässt sie aber immer wieder entkommen, sie werden also allem Anschein nach politisch geschützt.

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