Einstürzende Schuldächer

Die Serie begann vergangene Woche mit dem Einsturz des vor zwei Jahren neu gebauten Daches auf dem Colegio Lambaré und des Daches einer drei Jahre alten Schule in Carapeguá. In der Nacht zum Dienstag stürzte das Dach der Bibliothek einer Schule in San Juan Bautista, Misiones ein, die 2010 mit 700 Millionen PYG der spanischen Organisation AECID gebaut wurde. Ebenfalls in der Vorwoche stürzte das Dach der Schule Juan Ramón Dahlquist im Stadtteil Chacarita von Asunción ein, bei Reparaturarbeiten, die nach jedem Regen nötig sind. Der Unterricht findet nun wieder im 73 Jahre alten baufälligen Tinglado statt. Die Stadt Asunción konnte der Schule im laufenden Jahr auf Anfrage des Direktors keine Mittel zur Verfügung stellen.

Experten fragen nach der Ursache für die Zusammenbrüche. Luis Chávez, der Schulleiter in den Chacaritas, identifiziert klar den Regen als Grund. Für den Ingenieur Mario Llano, der für die Errichtung der Bibliothek in Misiones zuständig war, handelt es sich eindeutig um „Sachen des Lebens“ (cosas de la vida). In eine ganz andere Richtung gehen die Ursachenforschungen von Roberto Cárdenas, dem Ex-Bürgermeister und notorischen Bürgermeister-Kandidaten von Lambaré. Er fragt sich, warum die Dächer mitten in der Endphase des Wahlkampfes einstürzen und vermutet Manipulationen.

Cárdenas sieht sich als Opfer von Konspiration, nicht so die Staatsanwältin Blanca Agüero, die gegen ihn sowie den früheren Direktor des Colegio Lambaré und die Konstruktionsfirma Anklage erhob. Um eine Untersuchungshaft zu vermeiden hinterlegte Cárdenas eine Kaution von 300 Millionen Guaranies und seine Anwältin zusätzlich eine persönliche Kaution in Höhe von 50 Millionen PYG, er muss 300 Meter Distanz zur Gemeindeverwaltung und zur Schule wahren. Mitarbeiter der Gemeinde hatten zuvor nachts Unterlagen aus dem Jahr 2013 in den Müll geworfen, wurden aber von Demonstranten ertappt.

Die mit angeklagte Firma ADC Construcciones erhielt für den Bau von drei Klassenräumen die Summe von 69 Millionen PYG, die Kommune zahlte aber 266 Millionen PYG aus Geldern des Hilfsfonds Fonacide, die Differenz ist verschwunden. Cárdenas wirft der Staatsanwältin vor, aus Feindschaft gegen ihn die Anklage erhoben zu haben, Agüero weist dies aber zurück.

Das Ministerium für Bildung und Kultur ist erschüttert und begann mit einer landesweiten Inspektion der etwas mehr als 10.000 Schulbauten. 175 Kommunen haben keinen Rechenschaftsbericht über die Verwendung von Fonacide-Geldern abgegeben, darunter auch Lambaré. Die Stadt erhielt seit 2012 knapp 10,9 Milliarden Guaranies aus Fonacide-Mitteln, über deren Verwendung Unklarheit besteht. Cárdenas behauptet, alle Abrechnungen seien Transparent, bislang sind sie aber nirgends aufgetaucht. Das Nicht-Abrechnen von Fonacide-Geldern ist allerdings lediglich eine Ordnungswidrigkeit und daher auch nicht Bestandteil von Ermittlungen.

In Lambaré wurden inzwischen mehrere Schulen geschlossen. Architekten und die Feuerwehr besuchten zum Beispiel die Bildungseinrichtung Ava Mba’e und zeigten sich entrüstet (escandalizados). Sie sprachen von möglichem Abrechnungsbetrug (sobrefacturación). Das Dach von Ava Mba’e gab bereits zwei Wochen nach der Einweihung, im Jahr 2014, nach, da es regnete und wurde nur notdürftig nachgebessert.

Der Gegenkandidat der PLRA für das Bürgermeisteramt in Lambaré sollte eigentlich von der Situation profitieren, allerdings sind seine Frau und Schwägerin wegen Veruntreuung von 35 Milliarden PYG angeklagt, die teilweise in den Wahlkampf von Armando Gómez geflossen sein sollen. Die Unternehmerin Marys Llorens zeigte beide an, die für die Buchhaltung ihrer Firma Viradolce S.A. zuständig waren und Schecks, statt an Gläubiger, auf Konten von Strohmännern gezahlt haben sollen. Die Schwägerin von Gómez ist mit dem aktuellen Vizeminister für politische Angelegenheiten des Innenministeriums verheiratet.

ABC Color hat eine Web-Applikation für ein Ranking der Bürgermeister, gemäß ihrer Wahllügen, gestartet.

Quellen: ABC Color, Última Hora, La Nación; Foto: Última Hora