Ens: Paraguay benötigt mehr berufliche Bildung

Andreas Ens, Präsident (Foto 2. von links) der Deutsch-Paraguayischen Handelskammer, diskutierte im Rahmen der Lateinamerika-Konferenz in Berlin am 1. Oktober mit Kollegen aus Ecuador und El Salvador und weiteren Panelteilnehmern über das Thema „Berufliche Bildung und Duales System“. Vor 300 Zuhörern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft erläuterte er das vorhandene System der beruflichen Bildung, das in Paraguay im öffentlichen Sektor hauptsächlich aus kurzen Anlernkursen (Capacitación) besteht. Dies genüge aus Sicht der Handelskammer nicht, um dem steigenden Bedarf der Wirtschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften gerecht zu werden. Daneben gibt es im privaten Bereich im Chaco ein berufsbildendes System nach deutschem Vorbild. Daher versuche die Kammer, Unternehmen zu sensibilisieren, dass sich Investitionen in Bildung lohnten.

Der Präsident der ecuadorianischen Handelskammer, Wilfried Meinlschmidt (Foto links), berichtete von seinen Erfahrungen als Unternehmer, Auszubildende einzustellen. Nach einigen Jahren mit nur zwei Azubis sei man aufgrund der überwältigend positiven Erfahrungen nun soweit, dass man deutlich mehr Auszubildende beschäftige. In Ecuador hat die Regierung die Finanzierung für eine flächendeckende Einführung der dualen Ausbildung übernommen und beispielsweise in den letzten Jahren dort 42 berufsbildende Institutionen eingerichtet, an denen rund 40 verschiedene Berufe gelernt werden können.

Der Vertreter der GIZ, Dr. von der Haar (Foto 2. von rechts), bekräftigte, dass das Interesse verschiedener lateinamerikanischer Länder deutlich angestiegen sei in den letzten Jahren, duale Ausbildung einzuführen. Die Bereitschaft der GIZ, hier zu helfen, sei hoch.

Ingrid Portenkirchner (Foto rechts), die acht Jahre lang die Implementation der dualen Ausbildung in Ecuador als CIM begleitet hat, verglich das Rezept für eine erfolgreiche Einführung der dualen Berufsausbildung mit einer Ehe, in der die verschiedenen Partner des Systems vertrauensvoll miteinander umgehen müssten und auch in schlechten Zeiten durchhalten und miteinander reden müssten. Für viele Länder Lateinamerikas bedeute die Umstellung auf ein solches System, in dem das Arbeitsrecht oft schon den Begriff des Lehrlings oder Auszubildenden nicht kenne, einen Paradigmenwechsel, der nicht von heute auf morgen schaffbar sei.

Ens bedauerte, dass man in Paraguay von einer solchen Einführung noch weit entfernt sei, betonte jedoch, dass es aus verschiedenen Richtungen Anstrengungen gebe, die berufliche Ausbildung zu professionalisieren.

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CC