Evidenz geografischen Wandels

Madrid: Der von 1830 – 1903 lebende Spanier José Reinoso war Buchautor und verfasste 1877 unter anderem einen universellen Atlas moderner Geografie für Kinder. Die darin enthaltene Karte von Paraguay ruft jedoch Verwunderung hervor.

Die Karte des Landes vergibt schon den kompletten Chaco an Argentinien, etwas was Dank nur schiedsrichterlichen Intervention des damaligen US-Präsidenten Rutherford Hayes nicht passierte. Ebenso erkennt man große Ländereien nördlich des Rio Apa, was heutzutage ein Teil des Bundesstaates Mato Grosso do Sul in Brasilien ist. Einerseits fehlt der Chaco und andererseits beinhaltet Paraguay große Teile von Brasilien.

Wochenblatt / Paraguay de antes

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6 Kommentare zu “Evidenz geografischen Wandels

  1. Nein so ist es nicht wie der Artikel es dehinstellen will. “Grosse Teile” sind keineswegs bei Brasilien oder Argentinien. Diese Karte stimmt weitgehend ueberein mit der Karte von Franz Wisner de Morgenstern (kuk Offizier aus Oesterreich-Ungarn) welcher im Dienste des paraguayischen Staates stand und daher die Karte “im Sinne Paraguays” zeichnen wuerde bzw “nicht zu viel” den Nachbarlaendern zuschreiben wuerde (sonst wuerde sein Kopf rollen). Die Karte Wisner von Morgenstern’s ist also die zuverlaessigste und duerfte den realen “Ist Zustant” der damaligen Zeit wiederspiegeln.
    Dies Karte hier ist praktisch identisch mit der des Oesterreichers.
    Paraguay verlor keineswegs “weite Teile” seines Staatsgebietes sondern ist heute groesser als es je zuvor war.
    Die Gebiete die Paraguay verlor waren von Paraguay eher spaehrlich besiedelt und die Orte hatten oftmals portuguisische Namen. Wie z.B. Passo d’Açúcar was direkt auf eine portuguisische Gruendung schliessen laesst die den Brasilianern aber von den Paraguayern abgejagt wurde in den expansionistischen Besiedlungen der Vorkriegsjahre. Paraguay hat eigentlich nur die Pufferzonen verloren wo die portuguisische und paraguayische Kultur sich traf. Dasselbe dann nochmals fuer die argentinische Kultur.
    Heute liegen die Grenzen Paraguays beim Rio Apa oben im Norden wo sie vorher “angeblich” beim Rio Blanco inklusive Paso de Azucar lagen.
    Ziehen sie eine gerade Linie nach rechts von dem Ort San Pedro und dann kommen sie da an wo Paraguay “den Knick” an Brasilien verliert. Sie kommen dann in etwa an den Fluss Ygatimi. Vom Rio Ygatimi bis zum Fluss nach oben Rio Yguarey diesen Knick hat Paraguay “verloren”. Das verlorene Stueck ist zwischen:
    A) Rio Ygatimi, die Amambay Bergkette und Rio Yguarey und Rio Parana.
    B) Dann das Stueck zwischen Rio Blanco und Rio Apa und dann Rio Paraguay und Rio Yguarey.
    Das verlor Paraguay an Brasilien.
    Dann an Argentinien verlor Paraguay nur das Stueck was auf der Karte als:
    C) “Misiones” bezeichnet wird – also jehnseits des Rio Parana.
    Der ganze Chaco wurde historisch gesehen nach den meisten zeitgemaessen Karten Bolivien oder Argentinien zugeordnet. Unter Paraguay verstand man immer nur das heutige Ostparaguay in etwas bescheiden groesseren Grenzen. Der Chaco galt nie als zu Paraguay gehoerig.
    Der “Knick” den Paraguay verlor deck sich fast mit dem was auf der Karte als “Llanuras Indios Cainguas” bezeichnet wird. Die Cainguas sind nicht Guarani und gehoeren also nicht zu Paraguay bzw der Guaranistamm hatte die Cainguas erobert und versuchte dann mit dem modernen Staat Paraguay das Stammesgebiet der Cainguas sich einzuverleiben – also das Stammesgebiet der Caiguas dem Stammesgebiet der Gaurani einzuverleiben. Das Ostparaguay in den heutigen Grenzen war praktisch mit dem Stammesgebiet der Guarani identisch – das Gebiet der Caiguas duerfte nicht Guarani Kernlande gewesen sein. Daher wohl der Streit um “den Knick”.
    Es war ein Konflikt des Guaranistammes der mit dem Staatsgebiet Paraguay identisch sein wollte gegen andere indigene Staemme die es so ansahen als ob der Guaranistamm expandierte und sie erobern wollte mithilfe des politischen Gebildes namens Paraguay.
    Erst jetzt bestaetigt das WB die Theorie vom “Kuno” oder vom “Moyses” mit dieser Karte.
    Im paraguayischen Schulsystem wird es so gelehrt als ob Gross-Paraguay weite Teile seines von Gott prophezeiten Gebietes weggenommen wurde von den boesen Nachbarn und so quasi Paraguay von den Anden bis zu Uruguay und dem Meer reichte. Das bestaetigen nicht mal die zeitgenoessischen eigenen Landeskarten die vom militaerischen Kartographen Wisner von Morgenstern angefertigt wurden auf Anordnung der paraguayischen Regierung.
    Paraguay war eigentlich nur immer das heutige Ostparaguay. Alles andere ist Groessenwahn.
    Die kleinen Teile die Paraguay verlor sind allerdings fruchtbare Gebiete die zum Produktionsguertel des Rio de la Plata gehoeren – einem der wenigen fruchtbaren Landwirtschaftsgebiete der Welt neben den ukrainischen Schwarzboeden (wo die Mennoniten frueher siedelten) und dem Mississippidelta der USA. In Europa ist die “Blaue Banane” der fruchtbarste Teil des Kontinents (Teile von Frankreich, Deutschlands, etwas die Schweiz und Oberitalien) – da konnten sich Reiche bilden.
    Zu diesen einzigartigen fruchtbaren Gebieten gehoeren alle Gebiete die Paraguay im Dreibundgebiet verlor – “der Knick”, Missiones und Rio Blanco-Rio Apa. Zu diesem fruchtbarsten Gebiet der Welt gehoert auch ganz Ostparaguay dazu und dann noch die angrenzenden Teile Argentiniens, weit weniger hat Brasilien Anteil an diesen fruchtbaren Boeden.
    Allerdings besiedelte Paraguay erst die Zone um Asuncion so dass in der Peripherie wenig Bevoelkerung war – wenn ueberhaupt. Man unterhielt dann ein kleines Fort in Passo de Azucar mit 50 Soldaten und genausovielen Prostituierten – und das wars dann auch schon. Der Rest war fast menschenleerer Raum wo nur Indigene hausten die nicht mal zivilisiert waren. Paraguay = Stammesgebiet der Guarani Indianer.

    1. Es ist wirklich schade, dass die Geschichte in den Schulen so falsch dargestellt wird. Wie oft hatte ich schon Diskussionen mit meinem paraguayischen Mann darüber. Es gibt Karten, auf denen die südamerikanische Atlantikküste als “MER DE PARAGUAY” gekennzeichnet ist und ein großes Gebiet “PARAGUAY” genannt wird; und das wird dann als “unerschütterlicher Beweis” genommen. Sie haben das so in ihren Köpfen drinnen, dass es unmöglich scheint, was daran zu rütteln.
      Paraguayer sind immer die Armen, die nie einen Krieg begonnen haben und immer hinterrücks angegriffen und verraten wurden. Viele haben ja auch immer noch einen Hass gegen die Nachbarländer und deren Bevölkerung. Da kann ich nur den Kopf schütteln; und leider glaube ich nicht, dass sich in den kommenden Jahren irgendetwas daran ändern wird.

  2. Moyses Comte de Saint-Gilles

    @Jelly
    Es ist wahr das die Atlantikkueste “mer du Paraguai” genannt wurde. Meist auf franzoesischen Karten.
    Das liegt daran dass Buenos Aires aufgegeben werden musste da die Indianerangriffe da zu stark waren. Man verlegte dann das Zentrum des Vizekoenigreich Rio de la Plata nach Asuncion. Der Guaranistamm war immer das Rueckgrat der spanischen Kolonialtruppen wril er friedlich war. Daher stammen die Gross-Paraguay Allueren. Die Jesuiten hielten ihren Schutz eber den Guaranistamm. Dann als die Jesuiten um 1750 aus Spanien verjagt wurden, fiel das jesuitische Paraguay in Ungnade und wurde administrativ kleingeschrumpft zugunsten von Buenos Aires. Schon ab der Neugruendung von Buen Ayre 1580 von Asuncion her fing der Zoff an da dann wieder Buenos Aires die Hauptstadt vom Vizekoenigreich und Schrumpf-O-Matic begann ab dann. Daher aergerte man sich gruen als immer mehr Teile von Paraguay dem Verwaltungsbezirk Buenos Aires zugeordnet wurden. 1536 wurde Buenos Aires aufgegeben wegen den Indianern und dann war Asuncion bis 1580 die Hauptstadt, also fuer etwa 44 Jahre.
    Dann schickte der Guarani Stamm ein Expeditionskorps von etwa 5000 Kriegern durch den Chaco um den Inka zu bekriegen. Die Krieger siedelten dann irgendwo im Norden des Chaco in Bolivien wo noch heute Guaraniindianer sind. Das sind die Nachfahren dieses Expeditionskorps der Guarani Indianer. Der Inka war damals durch staendige Revolutionen geschwaecht und so besiegte diese Expeditionsarmee der Guarani den Inka im ersten Treffen. Bei Folgetreffen behielt der Inka die Oberhand und liess die Guarani da siedeln da im ganzen Reich Unruhen losbrachen. Dieses sahen die Guarani als ihre Grenzwacht an und meinten wohl dass der Chaco zu Paraguay gehoert.
    Wegen diesen beiden Ereignissen meinte der Marschall den status quo ex ante von 1580 wieder herstellen zu muessen im Dreibundkrieg. Man sehnte sich zurueck als Zentrum des Vireinato del Rio de la Plata. Buenos Aires spuckte ihnen mit See Zoellen stehts in die Suppe dieweil die Brasilianer mit Expeditionskorps genannt Bandeirantes die spanischen Jesuitenzonen verwuesteten, brandschatzten und die Indianer nach Brasilien versklavten. Die Brasilianer trommelten Faehnlein zusammen um in Paraguay einzufallen und die Indianer da zu verschleppen. In der Tat mussten Gebiete wegen diesen portuguisischen Ueberfaellen aufgegeben werden.
    Der Status Quo war 1850 aber als die Karten gemacht wurde von Morgenstern und diesem Spanier so de facto wie die Karte zeigt. Nur wollte man den Status Quo von vorher wiederherstellen vor allem die Gebiete zurueckerhalten die an die Bandeirantes verloren wurden.

  3. Hier sehen sie in einem Film der um das Jahr 1750 dreht die Konflikte der damaligen Zeit und wie die Bandeirantes in Paraguay einfielen.
    La Mision – https://www.youtube.com/watch?v=c_EOVtQ5EJY
    Leider kann ich den Film nicht in deutsch finden aber man kann ihn in voller laenge auf YouTube in Spanisch und Englisch ansehen.

    1. Das ganze Paraguayproblem wurde hauptsaechlich von dem Tratado de Madrid von 1750 verursacht. Teile des Guarani Stammesgebietes wurde von der spanischen Krone den Portuguisen gegeben. Auf Betreiben des atheistischen Ministerpraesidenten Portugals den Markgrafen de Pombel der dem franzoesischen Saekularismus in portuguisischen Koenigshof durchsetzte.
      Das wollten die Guarani nicht hinnehmen und wehrten sich. In der Tat galten 1750 oestliche Gebiete des Rio Parana als Guarani Stammesgebiet. Da diese sich mit Paraguay, also den Spaniern identifizierten, so wollten sie das Gebiet nicht raeumen. Markgraf von Pombel hatte die Sklaverei in portuguisisch Indien und anderen portuguisischen Kolonien verboten um diese Sklaven nach Brasilien zu kanalisieren. Die Guarani Indianer sollten die Missionen verlassen und in den Wald zurueckkehren damit sie da von portuguisischen Sklavenhaendlern gefangen werden konnten – ohne die Augen der Weltpresse klammheimlich. Das Teufelswerk von Pombel hat eigentlich den Dreibundkrieg nachher 1870 als Folge mit isch gezogen da die Guarani Indianer noch immer ihr Stammesgebiet zurueckhaben wollten und mittlerweile Guarani = Paraguaystaat war. Die Idee war die Jesuitenmissionen aufzuloesen um an die Guarani Indianer zu gelangen um sie nach Brasilien als Sklaven zu verkaufen. In spanischen Gebieten war die Sklaverei verboten, daher wollten die Guarani lieber zu Spanien gehoeren als zu den grausamen Portuguisen.
      Daher stammt der Konflikt urspruenglich.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Madrid_(1750)
      “Der Vertrag von Madrid war ein vom spanischen König Ferdinand VI. und dem portugiesischen König Johann V. am 13. Januar 1750 unterzeichnetes Dokument, mit dem die Grenzen zwischen den Kolonien der beiden Monarchien in Südamerika neu definiert wurden. Auf spanischer Seite war Ministerpräsident José de Carvajal y Lancaster federführend für die Inhalte verantwortlich.
      Der Vertrag erlaubte eine große Expansion portugiesischer Territorien. Der Vertrag beruht auf dem Prinzip des römischen Rechts, dass „uti possidetis, ita possideatis“ (= demjenigen, der das Besitzrecht ausüben will, muss es auch gehören).

      Als Ergebnis des Vertrages übergab Portugal Spanien Colonia del Sacramento (Art. XIII) und erhielt im Gegenzug die südlichen Territorien an der Quelle des Río Ibicuí, die Missionen, das Grenzrecht am Rio Guaporé und überließ ihnen die westlichen Territorien des Japurá-Flusses in der Amazonas-Region und die Flussschifffahrt auf dem Río Içá (Art. XIV). Im Kriegsfall zwischen den beiden Staaten Spanien und Portugal in Europa bleiben die Kolonien in Südamerika im Frieden (Art. XXI).

      Dieser Vertrag geht vom Zugang verschiedener Jesuitenreduktionen (siehe auch: Jesuitenreduktionen der Guaraní) vom Oberlauf des Río Uruguay von portugiesischer Seite aus. Da die Versklavung von Indianern in Portugal zu diesem Zeitpunkt legal war, erhoben sich die Missionen gegen den Vertrag und wehrten sich mit den Mitteln des Guerillakrieges gegen die spanischen und portugiesischen Soldaten, die die neuen Grenzen verteidigten, und die Bandeirantes, die immer wieder in die Missionen einfielen, um Indígenas zu entführen und sie als gebildete Sklaven in Brasilien zu verkaufen. Vor diesem Hintergrund spielt der Film Mission. Nach einigen Kriegsjahren stimmen die Jesuiten dem Transfer der Missionen in das portugiesische Kolonialgebiet zu.”
      Hier die Karte von 1750 wo in etwa die Karte von Wisner de Morgenstern wiedergegeben wird nur ist das spanische Gebiet da in der Tat groesser. Allerdings in der Karte de Morgensterns sind wiederum Gebiete an die Portuguisen bei den Indianermissionen verloren gegangen ausser ein kleiner Teil. Die Angriffe der portuguisischen Bandeirantes hat also die Spanier stehts zwischen 1750 und 1850 weiter zurueckgedraengt. So dass 1850 schon nicht mehr viel von den Gebieten die Spanien in der Zone Ostparaguays gehoerten uebriggeblieben war. Nur das Gebiet bis zum Rio Blanco, der “Knick” und das Gebiet “Misiones” waren 1850 noch in spanischer Hand – die anderen Teile hatten sich die portuguisen durch die Raubzuege schon einverleibt. Vor allem im Bereich der ehemaligen Jesuitenmissionen die bis zum Rio Uruguay etwa reichten.
      Der Marschall Francisco Solano Lopez wollte also den Status Quo von 1750 wiederherstellen. Wovon 1850 in den Karten nicht mehr viel zu sehen war.
      Die Sache wird durch den ungluecklichen Vertrag von Madrid durchaus klarer was da passiert ist.
      Und zwar die Portuguisen ersassen sich das Eigentumsrecht durch Raubzuege, versklaven, brandschatzen und morden.
      Die Paraguayer und Guarani hatten 1870 davon vollends die Nase voll.

  4. Hier die Karte des Landtausches des Tratado de Madrid von 1750.
    http://bitly.ws/fvv8
    “Der Knick” von Ostparaguay wird da offensichtlich auch den Portuguisen gegeben, zumindest nach der gelben Linie. Deshalb waren sie auf “den Knick” aus und nahmen ihn sich nach 1870 dann auch. Zumindest verlaeuft da eine gelbe Linie.
    Man den Portuguisen wurden sprichwoertlich die Landmassen hinterhergeworfen.
    So langsam werden die Hintergruende ueber den Dreibundkrieg immer klarer.

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