Neuanfang in Sudetia

Kolonie Sudetia: Letztes Jahr kam es zu einem Abschied in einer Deutschen Schule der eingangs erwähnten Kolonie in Guairá, der zu einem Umbruch im Lehrbetrieb führte. Jedoch wurde die Lücke nahtlos und reibungsfrei geschlossen.

Seit 1934 hat die kleine Schule in der Kolonie Sudetia Bestand. Turbulente Zeiten lagen hinter ihr. 1945 erfolgte die Enteignung. Die Regierung stellte den Betrieb ein. Erst 1946 konnte der Unterricht in spanischer Sprache wieder aufgenommen werden. Ab 1950 wurde Deutsch in den Lehrplan aufgenommen. Seit 1958 fördert die Deutsche Botschaft in Asunción den Erhalt der Muttersprache der Kolonisten.

Nach fast 20 Jahren verließ letztes Jahr Marianne Stock, geb. Eschgfäller, die Schule. Im Zuge dessen bestimmte der Schulverein “Sudentendeutsche Heimatschule“ Hella Leyh Kosian (3. von re. im Beitragsbild) als ihre Nachfolgerin.

Allen Unkenrufen zum Trotz begann das neue Schuljahr ohne Probleme. Souverän und engagiert meistert Kosian ihre Aufgabe, gut gerüstet durch Vorkenntnisse in Asunción, bei der Organisation und pädagogisches Wissen ebenfalls gefragt war. Ihr zur Seite steht die langjährige Lehrerin für den Spanischunterricht, Aida Villalba (re. im Beitragsbild) und hinter Kosian der Schulverein.

Mittlerweile sind die Schülerzahlen auch wieder angewachsen. 11 Pennäler werden zurzeit unterrichtet.

Der Fortbestand des Lehrbetriebs hängt immer von dem Budget des Schulvereins ab. Einnahmen werden über das Schulgeld, das zwischen 50.000 Guaranies und knapp über 100.000 Gs. monatlich, je nachdem in welcher Klasse sich der Schüler befindet, generiert. Das langt aber bei Weitem nicht an Ressourcen aus, deshalb ist man auf Spenden angewiesen oder organisiert Schulfeste, bei der ehrenamtliche Helfer tatkräftig mithelfen und so zusätzliche Einnahmen generieren. Trotzdem steht die deutsche Bildungseinrichtung, nach 84 Jahren ihres Bestehens, auf gesunden Füßen, mit vereinten Kräften der ganzen Bewohner in der kleinen Kolonie.

Am vergangenen Sonntag fand die Muttertagsfeier auf dem Deutschen Sportplatz in Sudetia statt. Bei Kaffee, Kuchen und guter Laune führten die Schulkinder ein Programm auf, organisiert von den beiden Lehrerinnen, das großen Anklang fand. Der Erhalt von Kultur und Tradition spiegelt sich in der Kolonie deutlich wider. Einige lebende Zeitzeugen, weit über 80 Jahre alt, geben die Erinnerungen an ihre Anfänge der Einwanderung im Rahmen solcher geselligen Veranstaltungen an jüngere Generationen gerne weiter. Es bleibt zu hoffen, dass so die Erinnerung an die schwierigen Anfangszeiten weiterhin Bestand haben.

Wochenblatt / Fotos: Hella Leyh Kosian

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