Ohne Vorwarnung

Asunción: Anscheinend ohne Zeit die Insassen vorzuwarnen wurde letzte Nacht im Gefängnis Tacumbú eine Durchsuchung anberaumt, die echte Ergebnisse lieferte.

Bei der Durchsuchung fand man neben 170 Millionen Guaranies, 12.000 US-Dollar und 500 € Bargeld auch ein Drogenlabor, wo neben Kokain auch Crack gefunden wurde. Der Bereich, wo man die Drogen und das Bargeld fand wird von Insasse Jaime Andrés Franco Mendoza kontrolliert, der selbst wegen Drogenhandel verurteilt wurde.

Die Justizministerin Cecilia Pérez fand dazu einige ernüchternden Worte: „Es gibt Korruption. Alles ist hinüber, alles ist schlecht, aber wir werden weitermachen. Nur weil es Einschüchterungsversuche gibt, werden wir nicht aufhören so zu arbeiten, wie wir es tun. Das ist kein Tourismusministerium. Es gibt keine andere Art wie wir arbeiten werden, so lange ich da bin. Das sind zu extreme Sachen, wir dürfen sie nicht alltäglich werden lassen“.

Zur Durchsuchung kam es anscheinend, weil vor zwei Tagen eine Frau versuchte Dynamit-Gel ins Gefängnis schmuggeln wollte und erwischt wurde.

Wochenblatt / ABC Color

CC
CC
Europakongress

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

6 Kommentare zu “Ohne Vorwarnung

  1. | “Es gibt keine andere Art wie wir arbeiten werden, so lange ich da bin.”
    In dem Fall wissen wir ja dann schon einmal, wer demnächst von der Bildfläche verschwinden wird. Es ist gut, dass man dagegen vorgeht, aber viele werden sich darüber nicht freuen; vor allem die, die damit ihr Geld verdient haben.

  2. Rauschgifthandel- und Produktion im Gefängnis – wer will sich darüber in Paraguay noch wundern? Es wäre wirklich sehr interessant zu wissen, wieviel Prozent der Durchschnitts-Paraguayer anfällig und jederzeit offen für Korruption sind. (Moralllehre, Wertevermittlung – Fehlanzeige!) Mit zunehmender Macht, sei es als öffentlich Bediensteter in der Verwaltung oder im Justizapparat, bis hinauf in die hohe Politik, scheint der Grad der Anfälligkeit für dieses üble Krebsgeschwür in der Gesellschaft drastisch anzusteigen. Niemand scheint sich daran sonderlich zu stören, bis auf wenige Ausnahmen. Niemand will sich diesem Problem ernsthaft annehmen um das stinkende Übel “Korruption” endlich auszumerzen. Von der Presse, die sich dieser Thematik lediglich aus Sensationsgelüsten annimmt, über die Gott verlassenen Kirchen des Landes bis hin zu den Politikern – niemand will sich die Finger verbrennen. Entweder aus Gewöhnung an das gottlose, verdammte Treiben, aus Opportunismus, aus Feigheit oder weil selbst in den Sumpf der Korruption tief verstrickt. Mir scheint, Paraguay ist ein hoffnungsloses Land, verfallen in Gewohnheiten und in eine lähmende Lethargie – der Teufel regiert und wer sich beteiligt, dem geht es dabei, zumindest in diesem irdischen Leben, gut! Ich werde nie die Worte eines in Paraguay und Südamerika bekannten Missionars und Evangelisten vergessen, der mir schon vor 17 Jahren sagte: “Auf Paraguay liegt ein teuflischer Fluch”. Damals konnte ich seine Worte nicht begreifen – heute verstehe ich das sehr gut.

  3. Mich wundert es, dass so wenig Geld gefunden wurde. Nur Erdnuesse. Jeder Gefangene hat zweimal taeglich ein Zaehlaufruf und muss dann den Waertern jeweils 1.500 Gs. Schmiergeld zahlen. 3.000 Gs. taeglich x 4.000 Gefangene… das erbeuten taeglich die Waerter…. man kann nicht taeglich einen Gefangenen besuchen, wenn man als Ehefrau 500 km entfernt wohnt, also Bargeld fuer 30 Tage…… sonst verhungert man da….. die Korruption der Beamtenschaft ist in Potenz dort schlimmer als die Kriminalitaet der Gefangenen…… Beamte rauben dort das Fleisch, Gemuese, Obst fuer die Gefangenen…. im Justizpalast monatelange Gerichtsferien…… die Richter und Staatsanwaelte verschwinden ab 12.30 Uhr aus dem Justizpalast…. vorher verkaufen dort Haendler an die Richter und Staatsanwaelte Reizwaesche, Kondome und Vibratoren….. Selbst Zuwendungen der Deutschen Botschaft fuer eine neue Baeckerei in Hoehe von 30.000 EURO kommen dort nicht an……. Nur die Mennoniten arbeiten dort sehr erfolgreich…. Ich bin kein Mennonit, aber ich habe Respekt vor deren Leistung und Arbeit…

    1. Guter Kommentar. Kann es mir genau vorstellen, dass es dort so zu und her geht. Aber was sollens den auch machen, wenn der Staat nur Plata für Amigos hat, nicht aber für Matratzen für die Häftlinge. Einmal drin im Gefängnis, kann man sich die Matratzen kaum noch kaufen gehen. Da ist es doch schon nett, wenn die netten Wärter einem so eine kaufen gehen. Hierzulande hilft man gerne. Aber wenn keine Plata springen lässt, dann doch wieder eher weniger. So schlafen diejenigen, die keine Plata haben, entweder auf dem Boden oder mit dem Kollegen auf einer Matratze.
      Wie mehrmals geschrieben, im Indianer-Kauderwelsch gibt es das Wort Kontrolle nicht. Kontrollieren heißt: «Na, gibst mal Plata, dann bleib i sitzen, macht zu viel calor um aufzustehen».

  4. Welch ein Glück, dass vor zwei Tagen eine Frau, die versuchte Dynamit-Gel ins Gefängnis zu schmuggeln, erwischt wurde, sonst wärens ja gar nie auf die Idee einer Gefängnisdurchsuchung gekommen.
    Ja, da hat die Frau schon recht, alles ist korrupt hierzulande. Und gerade sie muss es ja wissen. Versucht gerade ihre Haut zu retten. Das wird sicherlich auch akzeptiert. Schließlich kann sie ja nichts dafür, dass überall Korruption anzutreffen ist: erstens machen es die anderen auch so und ihre Aufgabe besteht darin im eisgekühlten Bureau zu sitzen und klimatisiertes Grasgesöff zu schlürfen. Und von nichts zu wissen. Das wird hierzulande überdurchschnittlich bezahlt. Ihrer Meinung nach wird dies aber nichts mit Korruption zu tun haben.

Kommentar hinzufügen