Paraguay und sein Ungleichgewicht bei der Energieverteilung

Asunción: Paraguay ist Miteigentümer, zu gleichen Teilen wie Brasilien und Argentinien, der Wasserkraftwerke Itaipú und Yacyretá. Das Ungleichgewicht bei der Energieverteilung, größter Produzent und zugleich kleinster Verbraucher, stößt auf Unverständnis.

Das paraguayisch-brasilianische Wasserkraftwerk Itaipú feierte mit der Anwesenheit aller seiner Direktoren und Berater Ende November letzten Jahres die Rekordproduktion von 2.600 Millionen MWh, die zwischen Mai 1984 und Ende November erzeugt wurden.

Beim Vergleich dieses außergewöhnlichen Energieflusses, mit dem das Volumen in das elektrische System von Paraguay eingespeist wurde, ist ein Paradoxon mit all seinen Fragen jedoch präsent.

Die Nutzung der Energie von Itaipú war bis vor kurzem eines der Geheimnisse, die von den verschiedenen Direktoren am eifrigsten gehütet wurden. Man muss jedoch zugegeben werden, dass sich diese Einstellung seit 2008 geändert hat. Es besteht jedoch weiterhin eine gewisse Zurückhaltung beim Zugang von öffentlichen Informationen.

Tatsächlich wird in lokalen Quellen des Energiesektors davon ausgegangen, dass von diesem fabelhaften, energetischen Strom nur 7% nach Paraguay flossen, das heißt, 182 Millionen MWh. Der brasilianische Markt wurde mit 93% “überflutet“: In absoluten Zahlen: 2418 Millionen MWh.

Bei Yacyretá war die Situation nicht sehr viel anders. Nach 24-jähriger Betriebszeit des paraguayisch-argentinischen Kraftwerks steigt die akkumulierte Erzeugung auf 357.300.739 MWh, wovon 22.839.437 MWh für das paraguayische Elektrizitätssystem, oder 6,39%, verbraucht wurden.

Wenn im Artikel XIII der beiden Verträge die Teilung der Energie in gleiche Abschnitte erwähnt wird, lautet die Erklärung, die bisher von den Behörden proklamiert wurde, dass der Teil, den Paraguay nicht verwendet, “exportiert“ wird.

Streng genommen “gibt“ Paraguay eine “Entschädigung“ auf etwas, die eigentlich gar keine ist, denn sie liegt derzeit nur bei rund 10 USD für jede übertragene  MWh nach Argentinien oder Brasilien, weit entfernt von dem in Itaipú festgelegten Prinzip des fairen Preises oder der Tarife bei den regionalen Strommärkte.

Auf der anderen Seite gibt es in Paraguay noch ein weiteres Paradoxon: “Struktur der Energie für den Endverbrauch“ des Vizeministeriums für Bergbau und Energie (2017): Strom, 15,7%. Biomasse (Brennholz, Kohle usw.) 44,2% und Mineralölerzeugnisse 40,1%.

Wochenblatt / ABC Color

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9 Kommentare zu “Paraguay und sein Ungleichgewicht bei der Energieverteilung

    1. Es reicht nicht, mit dem Filz aufzuräumen. Du vergisst die Mentalität der Leute. Die kriegst du nicht in zwei Jahren geändert. Bei drei Tropfen Regen nicht arbeiten und nicht lernen, jede Stunde Arbeit mit 15 Minuten Tererepause versüßen – so wird man nirgendwo führend, höchstens im Ranking der am wenigsten entwickelten Länder mit dem schlechtesten Bildungsniveau.

  1. Paraguay ist Miteigentümer von Itaipú und Yacyretá. Das Miteigentum Paraguays ist jedoch bis zur Tilgung mit Schulden für die Anteiligen Baukosten der Kraftwerke belastet, da die Baukosten der beiden Kraftwerke jeweils von Argentinien (Yacyretá) und Brasilien (Itaipú) zu 100% übernommen wurden. Diese Baukosten werden durch Lieferungen des Paraguay zustehenden Anteils an Strom bezahlt -Stromexport-. Ob die Tilgung abgeschlossen ist lässt der Artikel offen.
    Jeweils ein Viertel des argentinischen und brasilianischen Verbrauchs wird durch die beiden Kraftwerke gedeckt, also tatsächlich verbraucht.
    Selbst wenn Paraguay aufgrund der hier nicht erläuterten Vertragssituation berechtigt wäre mehr als den derzeit entnommenen Strom zu entnehmen, so fehlt es an der Infrastruktur dies auch zu realisieren. In dieser Situation ist auch der geringe Stromanteil Paraguays, 15 % der Gesamtenergiebilanz, begründet und kein Paradoxon.
    Es ist auch kein Paradoxon wenn der Strom überwiegend nach Argentinien und Brasilien fließt, da dieser dort verteilt werden kann und auch verbraucht wird.
    Die flächendeckende, zuverlässige Stromversorgung in Paraguay mit rd. 8 Mio. Einwohnern würde Investitionen erfordern
    die niemals erwirtschaftet werden könnten, wenn der Strompreis nicht erheblich erhöht würde.
    Der Strom wird bedarfsgerecht verteilt. Von einem Ungleichgewicht zu sprechen ist das eigentliche Paradoxon.
    Der Artikel sollte treffender als „Paraguays Stromträumereien“ bezeichnet werden.

  2. Hallo Anton. Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Danke!
    Vielleicht noch das die Bauschulden erst in einigen Jahren abgetragen sein werden. Problem an der Sache war oder ist, dass Paraguay damals in der Planungs- und Bauphase beider Kraftwerke nicht viel einzubringen hatte und den sehr, sehr geringen Preis der für den „Abzahlungsstrom“ festgelegt wurde einfach akzeptieren musste. Brasilien und Argentinien sassen am längeren Hebel und haben das kleine Paraguay diesbezüglich total übervorteilt. Expräsident Lugo hat seinerzeit diesen Preis neu verhandelt. Vielleicht das Einzig Positive das er für sein Land getan hat…. (Meine Privatmeinug, vielleicht denken andere anders….).
    Durch diese Neuverhandlung ist das Ende der Abzahlung zumindest näher gerückt. Wenn das soweit ist müssten Brasilien und Argentinien den Paraguay zustehenden Strom den sie abnehmen voll bezahlen. Zu neu auszuhandelden Konditionen.
    Eine Klausel in den Verträgen ist übrigens das Paraguay, wenn die Schulden einmal beglichen sind, 50 % der in beiden Kraftwerken erzeugten Energie selber verbrauchen darf sofern dies möglich oder nötig würde. Das ist allerdings aus in Antons Kommentar erwähnten Gründen mehr als unwarscheinlich….

  3. Sie wurden nicht uebervorteilt, sondern der Preis war damals an den Erdoelpreis gebunden und das Fass kostete 3 Dollar und es wurde keine Anpassungsklausel vorgesehen. Wenn man schon nur den halben Fluss zusteuert, so sollte man sich wenigstens Fachleute holen fuer solche Vertraege und nicht selbst rummurcksen.

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