Paraguays schlimmster Knast: Tacumbú

Asunción: Das Gefängnis von Tacumbú ist eine Zeitbombe kurz vor der Explosion. Mit einer Insassenzahl die doppelt so hoch ist wie sie eigentlich sein sollte. Hinter diesen Mauern kämpfen täglich Menschen ums Überleben.

Die reale Kapazität von Tacumbú sind 1.500 Gefangene. Am 20. Juli 2011 wurden allerdings 3.334 Gefangene von Staatsanwalt Blas Imas gemeldet.

Nach den vorliegenden Unterlagen sind davon 870 Verurteilte und 2.475 die auf ihren Prozess warten. Unter den Gefangenen befinden sich 86 Geisteskranke, 96 Ausländer, 23 Aids Infizierte und 9 Indigene.

Die Verteilung der Gefangenen ist keine leichte Arbeit, da es an Unterbringungsmöglichkeiten fehlt.

Im hinteren Teil des Gefängnisses sind Pavillons die von mennonitischen Brüdern geführt werden. In einem dieser, dem Pavillon „Freiheit“ ist Adolfo Trotte untergebracht.

In dem Mennoniten Pavillon gibt es 560 Gefangene die sich täglich an Regeln halten müssen, um an dem Ort weiter verweilen zu dürfen.

Neben dem Mennoniten Pabillon ist der der Evangelischen Gemeinschaft „Remar“ mit 400 Straftätern.

In der Mitte befindet sich der Pavillon “Padre De La Vega”, zuvor auch “De la Muerte” genannt. Dieser Ort wird von der Staatsanwaltschaft geführt. Darin erlernen rund 250 Insassen Kunsthandwerk.

Hinter den Mennoniten Pavillon befinden der Ex Korridor mit 120 jungen Gefangenen.

So ziemlich in der Mitte des Gefängnisses ist der Pavillon 5, wo Geiselnehmer inhaftiert werden. In diesem Sektor sind 400 Mann untergebracht mit eigenem Essen, Bett und Dach über dem Kopf.

Davor befindet sich der Pavillon F, ein überdachter Platz jedoch offen wo 220 Insassen zusammengepfercht leben.

Neben dem Pavillon F sind einige kleine Unterkünfte wo sich 150 Personen befinden.

Im Eingangsbereich des Gefängnisses befinden sich die Privatzimmer, die die Insassen für 50.000 Guaranies nutzen können, wenn zum Beispiel die Ehefrau zu Besuch kommt. Das Geld wird in die Erhaltung der Pavillons investiert.

In der Nähe der Privatzimmer ist eine gemischte Zone wo rund 350 Mann leben. Auch dieser Platz hat nicht mehr als ein Dach zu bieten. Die Häftlinge von hier schlafen meistens auf den Gängen. Bei großer Kälte allerdings dürfen sich auch woanders nächtigen.

Mehr Platz wäre für die Gefangenen notwendig. Eben erst wurde eine Werkstatt errichtet, die allerdings auch schon als Unterkunft umfunktioniert wurde, da dies Priorität genießt.

In der Ex Bibliothek befinden sich 100 Häftlinge, die über 50 Jahre alt sind. Dahinter sind die Aids Kranken untergebracht.

Nahe dem Haupteingang gibt es auch noch Unterkünfte für etwa 160 Mann. Zwischen Pavillon F und 5 befindet sich ein Verlies, wo Insassen hinkommen wenn sie sich schlecht verhalten.

Vor dem Verlies wurde kürzlich eine Werkstatt eingerichtet, die auch Kunsthandwerk hervorbringt.

Zwischen dem gemischten Sektor und dem offenen überdachten Bereich befindet sich das gefürchtete “Alcatraz”, wo kein Insasse hinmöchte, da dieser Ort maximale Sicherheit garantiert.

Dahinter liegt die Psychiatrie, wo rund 100 Patienten sind. Daneben leben sieben Transvestiten, die mit dem Rest der Insassen keinen Kontakt haben wollen.

In der Nähe der Agrupación Especializada ist die Baldosería, wo 850 Personen eingesperrt sind.

Vor diesem Ort im zweiten Stockwerk ist der Ex VIP Bereich. An diesem Ort konnte man gegen Bezahlung seine Ruhe und Frieden genießen. Die Zahlungen gingen in die Taschen der Wärter. Hier sind jetzt 300 Gefangene untergebracht. Im Erdgeschoss sind zwei weitere Werkstätten und Unterkünfte für 400 Personen.

Das Gefängnis hat 120 Wärter in drei Schichten. Somit sind 40 Mann für 3.334 Häftlinge zuständig.

Letzte Woche erst starb ein Insasse bei einem undurchsichtigen Handgemenge. Ein weiterer verstarb an zu hohem Drogengebrauch.

So vergehen die Tage. Die beste Therapie ist eine Stelle in einer Werkstatt. Arbeit macht den Kopf frei.

Das Justizministerium plante die Verlegung aller Häftlinge ab diesem Juli in ein neues Gefängnis. Anscheinend wird das in diesem Jahr nichts mehr.

(Wochenblatt / Abc / Fotos:Abc)

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3 Kommentare zu “Paraguays schlimmster Knast: Tacumbú

  1. O.K. Ein Knast ist kein Ponyhof – sollte es auch nicht sein, aber was hier abgeht ist schon für unser europäisches Verständnis eine Schweinerei. Nur wie in vielen anderen Bereichen kann man eben zwischen Europa und Südamerika keine Vergleiche ziehen.
    So wie in Afrika ( Somalia etc. ) sind auch hier in Südamerika die sogenannten Menscherechte noch nicht überall angekommen.
    Justizbeamte – Staatsanwälte und Richter sind doch politisch besetzte Posten – und diese Leute haben übers Jahr soviel damit zu tun sich selbst über die Zeit zu retten bis zur nächsten Wahl , so daß für die eigentlichen Aufgaben der Beamten keine Zeit bleibt .
    Im Übrigen bin ich auch der Meinung daß weniger Geld im Knast ankommt als zur Verfügung gestellt wird. In diesem Fall wäre es doch fatal wenn eine ernsthafte Rechnungsprüfung regelmäßig stattfinden würde

  2. „Nach den vorliegenden Unterlagen sind davon 870 Verurteilte und 2.475 die auf ihren Prozess warten.“
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    Das Problem liegt doch darin, dass Paraguay scheinbar kein Gefängnis für Untersuchungshäftlinge hat. Entweder gehören die 2.475 Untersuchungshäftlinge verlegt oder die 870 Verurteilten. Im übrigen scheint die Justiz sehr stark überfordert zu sein, wenn so viele Menschen auf ihren Prozess warten. Werden die Fälle nach Schmiergeld bzw. Prominenz von den Gerichten abgearbeitet? Ein Habenichts dürfte demnach jahrelang auf seinen Prozess warten müssen. Mal abgesehen, dass das gegen die Menschenwürde verstößt, entsteht dem Staat hier auch ein sehr großer Kostenfaktor für den Lebensunterhalt des Häftlings. Irgendwie haben sich die Verantwortlichen im Justizministerium, Richter, Staatsanwälte und die jeweiligen Präsidenten, in der Schule scheinbar um den Mathematikunterricht gedrückt. Ansonsten hätten sie wohl schon längst diesen Kostenfaktor reduziert. Oder doch nicht…..? Scheinbar verschwindet da auch so manches in Privatschatullen…..

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