Asunción: Das Justizministerium bestätigte, dass in der Regionalstrafanstalt von Concepción insgesamt 58 Häftlinge wegen Tuberkulose (TB) behandelt werden, nachdem ein weiterer Insasse an den Folgen der Krankheit verstorben ist.
Der Epidemiologe Dr. Guillermo Sequera, der an einer umfassenden Studie über Tuberkulose in Haftanstalten teilnahm, erklärte, dass dieses Problem absehbar war. Die aktuelle Lage in Concepción bestätige lediglich die wissenschaftlichen Erkenntnisse. „Dieses Problem haben wir kommen sehen. Es war schon während unserer Studie sehr ernst, und alles deutete darauf hin, dass die Zahlen weiter steigen würden, wenn man nicht gemeinsam das Ruder übernimmt“, so Dr. Sequera.
Die Haftbedingungen als kritischer Faktor
Der entscheidende Faktor ist laut dem Experten die Überbelegung. „Das Thema der überfüllten Gefängnisse ist hier der kritischste Punkt. Wir sind eines der Länder mit den weltweit meisten Häftlingen ohne rechtskräftiges Urteil. Ich glaube, die Richter verhängen Untersuchungshaft viel zu leichtfertig; 60 bis 70 Prozent unserer Insassen sitzen deshalb ein“, kritisierte der Spezialist.
Die Studie lieferte alarmierende Zahlen: Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen, die ins Gefängnis kommen, erkranken entweder während der Haft oder zwei bis drei Jahre nach ihrer Entlassung an Tuberkulose.
Gefängnisse als “Motor der Epidemie“
Dr. Sequera erläuterte, dass die Untersuchung auch genomische Analysen beinhaltete. „Wir haben die DNA der Bakterien in den Gefängnissen und in der Gesellschaft gesammelt. Wir konnten zeigen, dass draußen dieselben Stämme zirkulieren. Das bedeutet, dass die Gefängnisse der Motor der Tuberkulose-Epidemie in unserem Land sind“, erklärte er.
Zwar konzentrieren sich derzeit rund 30 Prozent aller landesweiten Fälle in den Gefängnissen, doch Dr. Sequera schätzt, dass weitere 40 bis 50 Prozent der Krankheitsfälle in der allgemeinen Bevölkerung direkt auf diesen “Überlauf“ aus dem Justizsystem zurückzuführen sind.
Wochenblatt / Megacadena / Beitragsbild Archiv















