Schuldenerlass hängt von Präsident Cartes ab

Asunción: Obwohl die Bevölkerung dagegen ist, entschieden deren Vertreter sich dafür. Es ist ein Art Selbsterhalt. Die Begünstigten sind Wähler und könnten den Gesetzgebern zu einer weiteren Amtszeit verhelfen.

Am gestrigen Nachmittag kam es zur Entscheidung, die positiv für die Campesinos verlief. Das Abgeordnetenhaus entschied sich ebenso für einen Gesetzesentwurf, der den Bauern Schulden bis zu maximal 51.000.000 Guaranies erlassen soll. Obwohl immer von einer Liste die Rede war, die 17.000 Bauern umfasst, spricht man nun 200.000 Bauern damit aus der Patsche helfen zu wollen.

Ob das Geld in diesen Zeiten wirklich da ankommt, wo es tatsächlich Not lindert ist fraglich. Ebenso fraglich ist die Quelle aus der die Gelder kommen sollen. Obwohl Jahr für Jahr im September der Jahreshaushalt für das kommende Jahr vorgestellt wird, wird es im Finanzministerium wohl hektisch zugehen in diesen Tagen. Eine Umverteilung zum Nachteil der restlichen Bevölkerung ist unausweichlich, da Tabak- oder Sojaexportsteuer nur Hirngespinste der linken Frente Guasu sind und niemals Zustimmung erhalten werden.

Präsident Cartes ließ schon erklären, dass er sich nicht über die Entscheidung der beiden Kammern hinwegsetzen will. Um sicherzugehen werden die Campesinos jedoch weiter in der Hauptstadt ausharren, bis der Schuldenerlass von Cartes unterzeichnet ist.

Welche Wirkung solch eine Entscheidung auf andere Gruppen mit Forderungen hat, kann man sich leicht vorstellen. Wiederholungen aus anderen Bereichen sind nun leichter vorstellbar.

Wochenblatt / Abc Color / Última Hora

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8 Kommentare zu “Schuldenerlass hängt von Präsident Cartes ab

  1. Habe das schon mal gepostet; zu diesem Artikel paßt es noch besser:

    Ist auch ein Bail-out der Gläuber.

    Ohne Schuldenerlaß (durch den Staat) wird der Großteil der Forderungen wohl uneinbringlich werden.
    Diese Verluste treffen dann die finanzierenden Banken und vermutlich zum weit größeren Teil cooperativen. Da könnten einige sogar umfallen davon. Was abermals einen Domino-effekt auslösen könnte.

    Da die meisten DACHLER hier in Paraguay irgendwo Geld angelegt haben, wäre selbst für nicht besonders sozialistische Mitbürger günstig, diese Initiative zu begrüßen. HC sieht das vermutlich ähnlich und wird es durchwinken.

    1. Wir reden hier über 51 Mio. pro Campesino, das sind so rund 10.000 $.
      Wer ist denn so treudoof und vergibt Kredite in dieser Höhe ohne jegliche Sicherheiten?
      Ich glaube nicht, das da viele Cooperativen bei sind.
      Gestern war im Fernshen von 200.000 „Empfangsberechtigten“ die Rede.
      Das ergibt ein nicht rückzahlbares Kreditvolumen von 2 Millarden Dollar!
      Eigentlich unvorstellbar, weil der Gesamthaushalt für Paraguay anno 2016 11,5 Milliarden $ betrug.

      1. Herman, wie überall auf der Welt läuft der Kredit-handel auch in Paraguay mittlerweile recht schwunghaft.

        Gerade cooperativen (besonders im Bereich Landwirtschaft) sind ja darauf spezialisiert ihren Mitgliedern genau solche Kredit zur Finanzierung ihres Lebens zwischen den Ernten zu geben.
        Also etwa ein Moto auf Raten. Oder ein Handy. Oder einfach Geld zum Einkaufen bis zur nächsten Ernte.

        Solche Ratengeschäfte kann man auch weiterverkaufen. Um das Jahr 2008 ist in den USA ja ein großangelegter Handel mit Krediten dieser Art (sub-prime mortgages) mit lautem Knall und weltweitem Nachbeben geplatzt. Damals haben auch viele gefragt: „Wer vergibt bitte einen Hauskredit an einen Obdachlosen ohne Anzahlung?“ Die Antwort damals war: „Der Verkäufer kassiert seine Provision, der Kredit wird an einen Pensionsfonds verkauft, was kümmert mich, ob der das zahlen kann?“

        Paraguay hat in den letzten 5-6 Jahren einen starken Anstieg des Lebensstandards, aber auch einen starken Anstieg der Verschuldung erlebt. Nicht bloß Staatsschulden. Auch und besonders Ratenkäufe für praktisch ALLES sind explodiert. Die Rate der Ausfälle ist ebenfalls jedes Jahr gestiegen.

        Ich sehe in der ganzen Aktion einen gut geplanten Bail-out von Finanzinstituten die derzeit auf einer Menge fauler Kredite sitzen. Keiner will im kommenden Wahljahr eine Finanzkrise wie 1998-2002 erleben.

  2. Wenn ich das richtig verstehe, handelt es sich bei dem Schuldenerlass um Kredite, die für landwirtschaftliche Entwicklung gezahlt wurden und nun nicht zurückgezahlt werden können.
    Jeder Schuldner sollte bis auf den letzten Guarani nachweisen, dass er seinen Kredit auch bestimmungsgemäß verwendet hat und nicht für Handy, Moto, Fernseher etc. pp.
    Vorher sollte es keine Zahlungen geben.

  3. wenn Cartes unterschreiben sollte, heisst das noch lange nicht: wahllose Auszahlung an jedermann. Dann wäre er nämlich ein schlechter Geschäftsmann. Hier wird gewissenhaft „subvensioniert“. Wenn überhaupt. 😉

  4. Also wenn man noch nicht mal genau weiss, wieviel „Bauern“ da beguenstigt werden, ist also voellig unklar, wieviel Schulden insgesamt erlassen werden sollen – und trotzdem wird dieses Dekret da unterschrieben. Das ist absolut unprofessionell und schlampig.
    Eine Teufel-komm-raus-Entscheidung. Das wird bittere Folgen haben…

  5. Keine leichte Aufgabe für Cartes. Wie er sich auch entscheidet, die Folgeprobleme werden wie eine Steinlawine über die Regierung herunter kommen. Das haben sich die Colorados aber selbst eingebrockt. Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: „Gehe nie auf der Mitte der Straße – dann kannst Du von beiden Seiten angegriffen werden.“ Oder konkret: Wer sich mit Lugo einläßt und Kuhhandel betreibt, muß sich nicht wundern, wenn er den Kürzeren zieht.

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