Tausend lose Enden: Ein Skandal, der alle Seiten involviert

Asunción: Die Leiter des Waffenschieber-Netzwerkes, Diego Dirisio und Julieta Nardi sind vor 3 – 4 Tagen schon aus ihrem Haus ausgezogen, was ein klarer Hinweis darauf ist, dass sie von Mitarbeitern der Sicherheitsbehörden gewarnt wurden.

Diego Dirisio hatte nämlich – sehr vorsorglich – über seinen Anwalt Roberti Cardozo bei der Richterin Vivian Carolina López Núñez einen Antrag auf ein präventives Habeas Corpus (Verbot einer Verhaftung) gestellt, der mit der Begründung abgelehnt wurde, dass die Voraussetzungen für die Zulassung des vorliegenden Habeas Corpus offensichtlich nicht erfüllt seien. Nach Angaben von Personen, die dem Ehepaar nahe stehen, wurde das Ehepaar vor drei oder vier Tagen nicht mehr gesehen; sie hatten ihren Angestellten die Gehälter gezahlt und ihnen das Weihnachtsgeld im Voraus ausgezahlt; sogar der Papagei der Familie war im Viertel Los Laureles in Asunción nicht mehr zu hören. All diese Anzeichen deuten darauf hin, dass sie vor den bevorstehenden Razzien gewarnt waren.

Andere Mitglieder hatten nicht solch ein Glück und wurden gestern verhaftet, darunter auch ein enger Vertrauter von Horacio Cartes, der stets ein Platz auf der Ehrentribüne neben ihm hatte.

Das vom Nationalen Antidrogensekretariat (Senad) geleitete Verfahren zerschlug das Netzwerk, zu dem auch hochrangige Militärkommandeure und deren Verbindungen gehörten.

Einer von ihnen ist Ricardo Morra, der beschuldigt wird, der “doleiro” in dem Finanzplan für den Waffenkauf zu sein.

Es gibt Fotos, auf denen Morra mit Horacio Cartes posiert, ein politischer Verbündeter von Honor Colorado. Auch Santiago Peña stand bei mehreren politischen Veranstaltungen gemeinsam mit dem Doleiro auf der Bühne.

Auf einem der Fotos bezeichnet das Mitglied der Sektion 22, Rodrigo Battochi, Morra als “den besten Finanzchef“. Woher die Gelder kamen, will man in diesem Zusammenhang gar nicht so genau wissen.

Morra wurde zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt, da er 2020 an mit seinem Audi Q7 im Wert von über 100.000 USD in einen Unfall verwickelt war.

Eliane Magalí Marengo, eine Anwältin und Geschäftsfrau, die dem Senad-Minister Jalil Rachid nahe steht, wurde bei der Aktion ebenfalls verhaftet. Rachid gab zu, dass er der Festgenommenen nahe stand und erklärte, sie sei eine Freundin seiner Frau.

“All dies ist wahr. Sie ist eine Freundin meiner Frau, sie hatte auch mit mir zu tun, aber nicht auf freundschaftlicher Ebene. Als ich das Amt des Senad-Chefs übernahm, wurden alle Fälle, die wir hatten, in einen Zusammenhang gebracht, auch dieser, und da fiel mir diese Information auf, dass sie darin verwickelt war, also habe ich allen Beamten gesagt: ‘Kümmert euch darum’, wer auch immer sie ist, ob sie eine Verwandte, eine Freundin oder eine hohe Position hat, spielt keine Rolle”, so Rachid gegenüber Radio Monumental.

Der “Geschäftsmann” Diego Dorisio hat laut den Ermittlungen Verbindungen zum ehemaligen Vizepräsidenten Hugo Velázquez.

Ein weiterer auf der Liste ist César Benítez Pappalardo. Er ist ein Cousin des ehemaligen Präsidenten Mario Abdo Benítez. Er steht auf der Liste der Personen, die im Rahmen der Operation gesucht werden. Er war ein untergeordneter Beamter in Dimabel, soll aber in die Struktur des Waffenhandels eingebunden gewesen sein.

Wochenblatt / Última Hora

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3 Kommentare zu “Tausend lose Enden: Ein Skandal, der alle Seiten involviert

  1. Ich könnte darauf wetten, daß viele der am Waffen- und Drogenhandel beteiligten/involtierten Personen NIEMALS bekannt bzw. belangt werden. Die meisten davon stehen unter dem Schutz von Amigos und Parteigenossen. Ich bleibe dabei:
    DAS LAND MIT SEINEN INSTITUTIONEN IST DURCH UND DURCH KRANK! Solange man das nicht erkennen will, kann es einfach keine Heilung geben. Da helfen auch keine Sprüche von Parteifanatikern wie z.B. eines “Deutsch-Paraguayos”!

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    1. Sie haben keine Ahnung von diesem Staat. Und Sie können sich nicht vorstellen, wie egal mir das ist. Ich gehöre keiner Partei an. Mich interessiert nur, was für die Bürger das Beste ist, denn davon profitieren alle. Mehr kann man von diesem Staat nicht erwarten.

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  2. Wenn man die Anzahl der Verfahren, Festnahmen und Durchsuchungen ansieht, keimt Hoffnung, dass in Teilen der Justiz noch etwas da ist, was noch nicht von Korruption und Kriminalität völlig zersetzt ist. Allein der Umstand, dass jetzt führende Personen in Ämtern, Behörden und Institutionen erfasst wurden, lässt etwas hoffen. Mag sein, dass viele sich mit Flucht dem entziehen, andere milde bestraft werden. Jedoch sein von außen her enormer Druck auf die Behörden zu bestehen, hier die schlimmsten Auswüchse zu beschneiden und umzusteuern. Die USA haben damit gestartet, Brasilien ist auch sehr daran gelegen.
    Ich hoffe daher, dass zumindest durch diese Vorgänge etwas Besserung eintritt oder zumindest keine weitere Verschlimmerung. Wirklich besser kann es aber nur werden, wenn diese Parteiendiktatur und deren Herrscher entmachtet werden. Ob aber das, was danach kommt besser wird, oder gar eine Diktatur dann droht?

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