Typisch Deutsch in Paraguay

Asunción: Unter Deutschen in Paraguay ist es gängige Praxis sich Vollmachten für Grundstückskäufe oder –verkäufe auszustellen. Welche Gefahren dahinter lauern, finden sie im nachfolgenden Beispiel. Es werden keine Namen genannt.

Ist man nicht selbst vor Ort um einen Vertrag zu unterzeichnen wird einem in Paraguay des Öfteren ein “Poder especial“ angeboten zu unterschreiben, womit man eine andere Person für einen bestimmten Akt bevollmächtigt. Selbst wenn der Geldempfang kein Teil dieser Bevollmächtigung ist, kann er finanzielle Folgen für den haben, der den Auftrag dazu erteilt.

Im Folgenden Beispiel geht es um einen Grundstücksverkauf, bei dem wegen Abwesenheit einer anderen Person eine Vollmacht ausgestellt wurde. Diese Person sollte einen Vorvertrag unterzeichnen, in der die Zahlung eines Teilbetrages festgehalten wird.

Nachdem die Person, die die Vollmacht ausstellte, den Vorvertrag in die Hände bekam und übersetzte, merkte sie gleich, dass etwas nicht stimmt. In einem Artikel steht: Sollte der Käufer vertragsbrüchig werden, also entweder nicht unterzeichnen oder nicht fristgerecht zahlen, dann verliert er seine Anzahlung. Im nachfolgenden Artikel ging es dann um den Verkäufer, der bei Vertragsbruch, beispielsweise nicht fristgerechter Unterschrift bei der Überschreibung des Titels, nicht nur die 10%ige Anzahlung zurückgeben muss sondern noch ein Bußgeld bzw. eine Strafe in gleicher Höhe zu zahlen hat.

Wie man sich vorstellen kann, wurde nun versucht den Verkäufer mit Sachen zu konfrontieren, die in Paraguay eventuell normal sind. Forderungen und Erpressung sollen einen solchen Vertragsbruch hervorrufen, womit man sich auf juristischem Weg das Grundstück aneignen kann, wenn der Verkäufer der Rückzahlung plus gleichhoher Strafe nicht nachkommt.

Auch wenn der Bevollmächtigte kein Geld in den Händen hält, kann er Klauseln in einen Vertrag einbauen lassen, die es einem unmöglich machen vom Kauf zurückzutreten. Die eigentliche Absicht, sich helfen zu lassen, kippt dann in eine böswillige Absicht und entpuppt sich zum Nachteil für denjenigen, der eigentlich auf Vertrauen setzte. Trau, schau, wem gilt überall in der Welt, vor allem in Paraguay.

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7 Kommentare zu “Typisch Deutsch in Paraguay

  1. Was ist daran nicht okey? Ein Ferien Ausländer kommt 2017 zu mir und will ein Grundstück von mir kaufen, das er bei seiner Rückkehr 2018 bezahlen und Überschreiben will, klar mach ich dann mit seiner Anzahlung so einen Vertrag, zu seiner und meiner Sicherheit. Allerdings bekommt er auch eine beglaubigte Übersetzung dazu.

      1. Von einem zugelassenen öffentlichen Übersetzer der auch eine Gerichtzulassung hat, vielleicht ist beglaubigt nicht das passende Wort, aber mir fällt kein anderes ein.

  2. Beim Grundstückskauf in Parguay muss der Käufer bis zu einem Zeitpunkt die Anzahlung leisten. Was danach kommt hängt von der Seriosität des Notars und des Landsmanns ab (natürlich sind beide seriös, vor allem dann, wenn der Notar der Notar des Landsmanns ist, hahaha).
    Die Krux ist ja, dass der Käufer meistens (noch) keinen Notar hat und dann mit dem Verkäufer zu seinem Notar geht (weil dieser ebenso seriös ist und sogar bad-Deutsch spricht, hahaha).
    Notare wie Livieres in Asuncion sind seriös und sprechen Deutsch, die Frage ist, ob Käufer angenommen wird, weil Livieres eben echt seriös arbeitet und nur überprüfbares Klientel aufnimmt.
    So, wenn also alles glatt geht, der Landsmann und sein oder eigener Notar seriös ist, wird der Notar nach erfolgter Anzahlung abklären, ob die Steuern bezahlt wurden und keine Embargos auf dem Grundstück verhängt sind (in Paraguay zahlen die meisten Leuchten ihre Grundstückssteuer jahrelang nicht, das ist nicht wie in Deutschland, wo der Beatreibungsbeamte vorbei kommt. Hier bezahlst einfach nicht, Bußen häufen sich an, who-cares, haben halt kein Plata, was willst machen.)
    Wenn man Pech hat, denn Sie werden den Titulo erst Monate nach vollständiger Bezahlung ausgehändigt bekommen, meist wohnen Sie dann schon auf dem Grundstück, und noch ein paar Jahren, bis sie der Spanischen Sprache mächtig sind, werden Sie aus Ihrem Grundstückstitel unangenehme Einträge feststellen. Und keiner bewegt mehr seine fünf Buchstaben, wozu auch, Sie können sie ja einklagen, hahaha, kriegen ihren Arsch einfach nicht mehr hoch, ist ja alles bezahlt, um diese Einträge wieder los zu werden. Dann werden Sie Probleme haben allenfalls das Grundstück eines Tages wieder verkaufen zu können, außer sie machen mit Frischfleisch das gleiche Spiel, wie es der seriöse Landsmann und sein seriöser Notar mit Ihnen gemacht hat.

  3. Man leistet gar keine Anzahlung, sondern man beauftragt einen eigenen Notar mit der Pruefung. Ist alles in Ordnung kommt es zur Auflassung und zur Zahlung. Ist man der Sprache nicht maechtig, besorgt man sich einen Uebersetzer.
    Auch puefen: Strom- Wasser- Telefon- und Muellrechnungen, da koennen auch noch Millionengraeber lauern. War auf dem Grundstueck noch nie ein Zaehler und es gibt Strassenlicht, dann kann dort auch eine grosse Summe aufgelaufen sein.

  4. Uns ist es ganz ähnlich ergangen …
    Ein deutscher Ex-Hotelier in der Kolonie, der uns und anderen Hotelgaesten während des Aufenthaltes versucht hatte, Grundstücke zu vermitteln, die allerdings aufgrund der unüblich hohen, teilweise Doppelprovisionen überteuert waren. So auch das von uns favorisierte Grundstück. Auf unsere Preisvorstellung hat man sich erst einigen können, nachdem wir wieder in Deutschland zurueck waren. Der ExHotelier erhielt hierzu eine Vollmacht, den Verkauf zu den üblichen Regeln zu begleiten und abzuschliessen. Bereits im Vorvertrag hat der Bevollmáchtigte völlig gegen unsere Interessen gehandelt (Treuhandbruch), z.B. dass bei Rücktritt des Verkäufers, dieser nur 50 Prozent der Anzahlung erstatten müsse. Darüberhinaus sind keine unserer durchaus üblichen Bedingungen berücksichtigt worden.

    Der Vermittler hat einen Vorvertrag abgeschlossen, seine Provision kassiert und ist nach Deutschland „entflohen“, ohne sich weiter um den zügigen Ablauf des Kaufes zu kümmern, was er zugesichert hatte.
    Leider mussten wir nun bei unserem derzeitigen Besuch feststellen, daß die Notarin aus Planta Urbana erst jetzt nach unserer Besuchsankündigung, also drei Monate nach Vorvertragsunterzeichnung, Unterlagen vom Katasteramt angefordert hat. Der Paraguayische Verkäufer musste darüberhinaus nochmals 200.000 Gs an die Notarin für eine angebliche Beschleunigung des Verfahrens löhnen.

    Resümee: Hüte Dich vor unprofessionellen Möchtegern „Immobilienmaklern“, die nur auf Ihren Vorteil und Ihre Provision achten.
    Professioneller Service kostet halt, dürfte es aber Wert sein!
    Freundschaft kann man nur erarbeiten, aber nicht erkaufen.

    1. Leider sind es wenige schwarze Schafe in der Kolonie, die den Ruf der Kolonie mit solchen Aktionen in Mitleidenschaft ziehen.
      Ich moechte hier gewiss nicht verallgemeinern, aber … „Hüte Dich vor Sturm und Wind und vor Deutschen, die im Ausland sind.“
      Schade, dass man nicht gemeinsam gegen diese schwarzen Schafe vorgeht und deren Geschäftspraktiken duldet.
      Habe selbst erlebt, wie der Vater des Hotelbetreibers versucht hat, dort von einem prof. Makler untergebrachte Gäste abzuwerben versuchte. Dieses geschäftsschädigende Verhalten dürfte nicht ohne Konsequenzen bleiben.

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