Verraten und verkauft

Asunción: Die gestrige Befreiung von Jorge Teófilo Samudio González (47) aus dem Gefangenentransport war eigentlich eine Übergabe. Ein Polizist starb. Es floss viel Geld. Es gab mehrere Verhaftungen und neben einem Minister musste auch der Polizeikommandant gehen.

Schon bei Gericht, kurz bevor die Anhörung abgesagt wurde, übergab ein Gefängniswärter dem Drogenboss ein Mobiltelefon, wie Videoaufzeichnungen belegen. Mehrere Personen die den genauen Angriffspunkt koordinieren mussten, waren seit Wochen in der Nähe darauf vorbereitet.

Vermutlich wurde mit einer Echtzeit-Standortüberwachnung, wie WhatsApp es anbietet, der genaue Ort des Gefangenentransportes angezeigt. Nach der “Übergabe“ verschwanden die Fluchthelfer in alle Richtungen. Die Polizei durchsuchte vergangene Nacht vier Häuser und fand den Unterschlupf der Männer, ein Haus welches sie von einer Richterin anmieteten. Auch die Häuser von zwei Gefängniswärtern in Emboscada wurden durchsucht. Bei einem fand man 8,3 Millionen Guaranies in einem Pflanzenkübel und jede Menge neue Haushaltselektronik.

Im Laufe des heutigen Morgens fand man einen Nissan Geländewagen in Capiatá, der gestern für die Flucht hergenommen wurde. Um die Ermittler zu täuschen baute man dem Auto Nebelscheinwerfer an und überpinselte das Logo, welches auf der Fahrertür zu sehen war. Im Innenren fanden die Ermittler eine falsche Senad Marke, 12 Schuss Munition und die Fingerabdrücke von Rody David Almeida Ibarra, der zusammen mit César Almeida Ibarra und Édgar Espinoza Cuevas am Nachmittag in Desmochados, Departement Ñeembucú verhaftet wurde.

Kurz darauf wurde bekannt, dass auch Juan Carlos Irala, Gefängnisdirektor von Emboscada, die Handschellen angelegt wurden. Er wurde verhaftet, weil allem Anschein nach auch er mit den 8 Gefängniswärtern gemeinsame Sache gemacht hatte. Irala hätte melden müssen, dass es sich um einen Insassen handelt der sehr gewalttätig ist.

Noch am gestrigen Abend gab Mario Abdo bekannt, dass der Justizminister Julio Javier Ríos sein Amt hinschmiss und der Polizeikommandant Walter Vasquez gefeuert wurde. Innenminister Villamayor bleibt im Amt.

Zwei riesige Blumenkränze, die von Präsident Mario Abdo und Innenminister Juan Ernesto Villamayor an die Familie des erschossenen Polizisten geschickt wurden, landeten umgehend auf dem Müll, nachdem Mitglieder der Familie Ferrari diese Geste als Spott ansahen. Kommissar Felix Ferrari war Leiter des 3. Kommissariats.

Wochenblatt / Abc Color

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5 Kommentare zu “Verraten und verkauft

  1. Was man in Hollywood aus fiktiven Drehbüchern zu sehen bekommt, ist in Paraguay normale Realität.
    Und immer wenn was „skandalöses“ passiert, werden Massen von Leuten entlassen und verhaftet – und dann ist Schweigen im Walde.Bis zum nächsten filmreifen Coup.

    In Paraguay finden Drehbuchautoren viel Inspiration und neue Ideen.

  2. Ohh in Brasilien auch,hehe, da gibts wohl so ne neue Realityshow übers Drogenmilieu, habs aber nie gesehen.
    Aber stimmt schon, hier gibts alles, was man sich vorstellen kann.

  3. Kuno Gansz von Otzberg

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    Sogar Hollywood inspiriert sich neuerdings in Paraguay wie der neue Film „Triple Frontier“ (2019) zeigt.
    Kurzbeschreibung des Films: „Fünf alte Kriegskameraden kommen wieder zusammen, um noch einmal alles zu riskieren: Tom „Redfly“ Davis, William „Ironhead“ Miller, Santiago „Pope“ Garcia, Francisco „Catfish“ Morales und Ben Miller waren bei den US-amerikanischen Spezialkräften, wo sie sich aus vielen brenzligen Situationen befreien konnten und für ihr Land alles riskiert haben, ohne dass sich dafür jemand groß bedankt hätte. Jetzt versammeln sie sich zu einer Mission, die sie nur für sich selbst machen: Im Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien will das Team eine große Menge Geld stehlen.“

  4. Kuno Gansz von Otzberg

    Antworten

    Bei den Roemern z.Z. Jesu sprang man ganz anders mit Kerkermeistern (Gefaengniswaertern, Direktoren, etc) um wenn denen auch nur 1 Gefangener entfloh. Die wurden sofort getoetet. Auch die Grabwaechter die den Leichnam Jesu bewachen sollten dass er nicht gestohlen wuerde, erwartete der Tod wenn man keinen Leichnam im Grab mehr finden wuerde.
    Apostelgeschichte 16,25ff „25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten ihnen zu. 26 Da entstand plötzlich ein großes Erdbeben, so daß die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden, und sogleich öffneten sich alle Türen, und die Fesseln aller wurden gelöst. 27 Da erwachte der Kerkermeister aus dem Schlaf, und als er die Türen des Gefängnisses geöffnet sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten, weil er meinte, die Gefangenen seien entflohen. 28 Aber Paulus rief mit lauter Stimme und sprach: Tu dir kein Leid an; denn wir sind alle hier! 29 Da forderte er ein Licht, sprang hinein und fiel zitternd vor Paulus und Silas nieder.“
    Im Roemischen Reich wuerde man alle Gefaengniswaerter des Gefaengnisses sofort mit dem Schwert toeten – zusaetzlich alle Beteiligten. Deswegen versucht der Kerkermeister sich vorher das Leben zu nehmen da er genau weiss was ihm blueht und eventuell Sippenhaft (also das Toeten seiner ganzen Familie) nicht auszuschliessen ist. Zumindest das Gesetz hielt man damals ein und machte wenig Federlesens wenn was war.

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