Was es bei der Nullen-Streichung des Guaraní zu beachten gilt

Asunción: Die Maßnahme einer Währung die Nullen zu streichen wurde seit vielen Jahrzehnten von einer großen Zahl an Ländern durchgeführt, einige davon erfolgreich andere weniger. Seit 1969 wurde insgesamt 71 Mal diese Taktik angewandt.

Das erste Mal zum Einsatz kam diese Methode in Deutschland, als eine riesige Inflation dem Neustart nach dem zweiten Weltkrieg im Wege stand. Die Länder, die sich am meisten an dem Werkzeug vergriffen haben, liegen in unserer direkten Nachbarschaft. Argentinien strich bei vier Einsätzen insgesamt 8 Nullstellen während Brasilien bei sechs Gelegenheiten 18 Nullstellen wegstrich. Fast bei jeder Streichung wurde die Währung ungenannt, erst Cruzeiro, dann Novo Cruzeiro, dann Cruzado, danach Novo Cruzado und schlussendlich Real.

Man darf dabei nicht vergessen, dass solch einen Streichung normalerweise nur ein Teil eines komplette Währungs- und Wirtschaftsplanes sein sollte, damit der Inflationsprozess kontrolliert werden kann, die Wirtschaft an Schwung gewinnt und das Vertrauen in die Währung zurückgewonnen wird. Dies jedoch ist in Paraguay nicht der Fall.

Einige Länder haben diese Maßnahme auch ohne die besagten Begleitprogramme gemacht und darauf spekuliert sich zu bereichern. Der psychologische Effekt war das einzige was verkauft werden sollte. Diese Länder konnten diese Streichung als gescheitert abhaken. Jedoch ist das Streichen von Nullen nicht falsch. Vieles jedoch hängt von den Umständen und dem politischen und wirtschaftlichen Moment ab, damit die Effekte positiv und nicht negativ sind. In Paraguay wäre es eine formale Sache, ohne wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Vergünstigungen auf den ersten Blick wären die Vereinfachung des Zahlungssystems, kleinere Volumen bei Werttransporten, Geldautomaten der Geldmenge in der Öffentlichkeit. Diese Gründe sind jedoch nicht so schwerwiegend um die Streichung zu implementieren.

Andererseits wäre es auch interessant zu wissen wie die Bevölkerung mit dem psychologischen Faktor umgeht. Das ist etwas risikoreich. Wenn die Regierung vor Glaubwürdigkeit strotzt, der Plan gut verbreitet und erklärt, ist es wahrscheinlich, dass der Wechsel positive Auswirkungen haben wird.

Die paraguayische Bevölkerung jedoch kennt sich mit solchen Streichungen nicht aus, weil die Einführung des Guaraní im Jahr 1944 passierte und nach wie vor gültig ist. Im Vergleich mit anderen Währungen ist der Guaraní extrem stark. In den 60er und 70er Jahren war sein Spitzname auch kleiner Dollar. Das alles spricht für eine Beibehaltung der aktuellen Verhältnisse.

Das Problem was die Bevölkerung darin sehen könnte ist, dass sie annimmt, dass es sich um einen ersten Schritt hin in Richtung Geldentwertung handeln könne. Damit wird das Vertrauen schon in den Guaraní verloren. Dann wenden sich Sparer anderen Währungen zu. Eventuell hat es einen positiven Effekt auf die Wirtschaft aber diese wächst schon ohne Streichung am meisten in ganz Lateinamerika.

Gewisse Sektoren der Bevölkerung sehen die Regierung Francos al illegitim an und die Popularität, die man braucht um solch eine Maßnahme zu implementieren, hat der jetzige Präsident nun auch nicht, damit es ein ganz großer Erfolg wird.

Besser wäre es den Vorschlag wieder ins Archiv zu bringen, damit die nächste Regierung sich erneut anschaut, ob es notwendig werden sollte. Der mögliche Vertrauensverlust in die heimische Währung kann sich ungünstig auf die Zinsen der Banken und Kooperativen auswirken.

(Wochenblatt / Abc / Oscar R. Estigarribia)

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4 Kommentare zu “Was es bei der Nullen-Streichung des Guaraní zu beachten gilt

  1. Dem Artikel kann ich mich vollkommen anschliessen.Das Grundproblem warum eine Streichung von Nullen notwendig ist spricht keiner an. Es ist die Inflation die ausschliesslich von der Politik durch eine Erhoehung des Geldvolumens ueber die Warenproduktion und den Bevoelkerungswachstum eines Landes entsteht. Die Politiker in einer Demokratie koennen nur auf Wiederwahl hoffen wenn sie den Waehlern etwas versprechen was nicht durch Steuererhoehung den Waehlern gleich wieder aus der Tasche gezogen wird. Zur Verwirrung wird der Taschenspielertrick angewendet durch Schuldenaufnahme oder Drucken von Papiergeld einen falschen Wohlstand vorzutaeuschen. Leider glaubt die dumme Masse der Menschen, dass hoehere Loehne die Inflation erzeugen.
    Ich bin gegen die Streichen von Nullen aber fuer Banknoten mit einem hoeheren Nominalwert. Trotz Inflation sollte Paraguay stolz sein den Guarani seit 1943 unversehrt zu haben.

  2. es ist wirklich die bessere idee, allerdings entsteht dann das falschgeldrisiko… da 500.000 ga ja doch knapp hundert euro sind, dann muessen sie schon etwas sicherere scheine drucken…

  3. 200 000er oder 500 000 wären schon eine feine Sache….aber halt auch an der Realität vieler Menschen vorbei.

    Es ist jetzt schon schwer außerhalb der Städte auch nur einen 100 000er gewechselt zu bekommen.

    Einen 200 000er oder gar 500 000er wird erst recht keiner annehmen bzw. wechseln wollen.

    Im Investmentsektor sieht die Sache da schon anders aus. Wenn du 100 000 000 irgendwo abheben und woanders einzahlen willst, dann sind das schon ganz schön viele 100 000er Päckchen. Aber wie häufig kommt das vor? Und wie oft werden solche Käufe (Neuwagen, EFH, ETW etc) ohnehin in U$ anstatt Gs abgewickelt?

    Fazit: Beides ist nicht wirklich nötig solange es den U$ als Schattenwährung gibt, aber wenn ich schon zwischen den beiden wählen muß, dann nehme ich lieber die 200/500 000er als die Nullenstreichung.

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