Wer braucht schon Wirtschaftswachstum wenn man eine Lohnerhöhung bekommt?

Asunción: Am gestrigen zweiten Sitzungstag im Abgeordnetenhaus zum Thema Haushalt 2020 siegte die Unvernunft. Die Vertreter der traditionellen Parteien gestatteten alle Lohnerhöhungen und bliesen die Summe auf. Die Opposition gewann zumindest etwas Aufmerksamkeit.

Die Mehrheiten haben in einer Demokratie nicht das Recht die Opposition mundtot zu machen. Wir können eine Abstimmung verloren aber nicht Komplizen eines Autoritätsstaates werden. Das ist keine Demokratie, das ist Diktatur, schrieb die Abgeordnete Kattya González (PEN), die sich auf ihren Schreibtisch stellte und ohne Mikrofon weiterredete, nachdem man ihres wegen der Kritik stumm stellte.

Durch die gestrige Modifizierung der Löhne nach oben sollten zwar fast alle Berufsgruppen zufriedengestellt sein, ein Wirtschaftswachstum ist jedoch ausgeschlossen, da es keinerlei Investitionen mehr geben wird.

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10 Kommentare zu “Wer braucht schon Wirtschaftswachstum wenn man eine Lohnerhöhung bekommt?

  1. Investieren werde ich ganz sicher nicht. Substanzerhalten ja. Investitionen macht man in Paraguay ja sowieso nur mittels Landkauf um da mehr Viehcher weiden zu lassen.
    In den Ballungszentren des Chaco hat mittlerweile eine Bank mehr aufgemacht so dass man Kredite wohl noch fleissig nachfragt. Da sitzen jetzt 5 Banken an ein und derselben Strasse. Es soll ja ein Mehr an Steuern und Zoellen eingenommen worden sein und die Banken scheinen auch fleissig Kredite zu vergeben. Wozu dann sparen? Gebaut wird wie verrueckt im zentralen Chaco, also danach muss das Bulldozergeschaeft (Expansionssektor) noch gut laufen. Neuland soll ja jetzt auch die „licencia ambiental“ bekommen haben. Ein Freibrief zum roden? Den an die Viehzucht und Agrarwirtschaft gekoppelten Unternehmen geht es wenigstens sichtlich gut – zumindest das Angebot an Maschinen und Verkaufsartikel ist unuebersehbar gross was darauf schliessen laesst dass die Leute ihr Geld bei den Haendlern dalassen.
    Die Geschaefte die expandieren sind aber zumeist groessere Firmen aus Asuncion und so wie mir er scheint nicht so sehr mennonitische Firmen. Die Gebaeude der Firmen die frueher expandierten setzen so langsam Algen und Moos an was auf eine stagnation der Wirtschaftsaktivitaeten schliessen laesst oder auch auf eine schlechtere Lage. Im zentralen Chaco stechen vor allem die vielen neuen Bankengebaeude ins Auge.
    Die mennonitischen Geschaefte die expandieren befinden sich vor allem im Luxusimportsegment von Waren aus Deutschland und Nordamerika. Die Reichen sind also die Zielkundschaft wohingegen Geschaefte von normalen Konsumartikeln fuer die Niedere- bis Mittelschicht eigentlich kaum expandieren, m.E. Auch das vermehrte Maschinenangebot zielt ja eigentlich auf die Reichen ab und die Politiker die sich ne Fenz (Viehbetrieb) im Chaco zugelegt haben. Alkoholikalaeden und Apotheken haben auch moderat zugenommen deren Kundschaft ja eher die Untere- bis Mittelschicht ist, obwohl die Oberschicht meist der Suffe auch erlegen ist. Kirchen haben m.E. nicht zugenommen sondern eher Kosumtempel teurer Importware aus dem Ausland. Miese Mietwohnungen haben sich auch vermehrt so viel man sieht.

    1. Kuno, Du hast schon Recht, keine Investitionen mehr zu tätigen. Aber bei mir belaufen sich die Kosten von Dir angesprochener “ Substanzerhaltung“ mittlerweile wie eine Neu Investition. Ich habe kein Viehbetrieb. Du hast es auch angesprochen, gebaut wird wie verrückt, klar bekomme ich dadurch mehr Kunden, aber wenn ich die “ befriedigen “ möchte, komme ich nicht ohne weitere Investitionen aus. Das heißt, ich benötige einen weiteren Tiefbrunnen und alles was dazu gehört die wieder rum etliche Millionen kosten. Oder ich mache so wie hier üblich, 2 Stunden Wasser am Tag, danach alles abschalten, Tank füllen dann weitere 2 Stunden alles abschalten und Nachts nach 10 alles aus und morgens um 5 wieder einschalten. Ich würde dabei sogar noch eine Menge Strom und Geld sparen können. Du kannst mir glauben, die Instandhaltung der Rohre, Pumpen, Relais usw. kostet mehr als wenn ich mal eben paar Hektar Land kaufe.

      1. Sind Sie ein privater staetischer Wasserversorger? In Paraguay gehen Reparaturen (Werkstatt) sehr schnell ins Geld. Schnell belaeuft sich daher die Substanzerhaltung auf Neueinrichtungswert. Das „Gebaue“ in den Ballungszentren der Mennoniten des Chaco geht ganz offensichtlich auch nur um den Schein welcher dann Kunden anzieht. Schaut der Laden gut aus, so spazieren sie rein. Und so muss der Lade jedes zweite Jahr neugestaltet werden und jedes fuenfte Jahr ist ein riesen Neubau faellig. All das fuers Auge. Der Kunde bezahlt den Neu- und Umbau dann mit dem Mehrpreis der Waren. Aber ja, wenn man sowieso genug Geld hat warum dem Ladeninhaber dann nicht den Neubau spendieren, aka das Geld zu Fenster rauszuwerfen?!
        Wieviel kostet denn ein Wasserturm fuer die staedtische Wasserversorgung, a la Europa oder USA?
        Mitarbeiter die ihr Haus in Villa Hayes haben meinen auch „Agua privado e ma caro pero viene siempre – cuando por ESSAP ma barato pero la mitad del tiempo sale el agua“. Sie meinen die reichen Bonzen versuchten sich vermehrt als Privatwasserversorger der Staedte in Paraguay. „Pone tanque, pone bombas, cobra mas – y sha sta“, meinen sie.
        Die Wasserversorgung im staedtischen Bereich scheint immer mehr Privatunternehmer anzuziehen.

        1. Kuno ich bin ein Privater, und das schon seit 12 Jahren. Hier wo ich lebe, will oder kann die Essap nicht investieren um ein Leitungssystem herzustellen, was gut ist für mich. Ich bekomme keine staatliche Unterstützung, ganz im Gegenteil, die Beamten machen mir das Leben schwer soweit die können. Meine Firma ist nichts fürs Auge, da der Tank und die Brunnen auf meinem Grundstück sind. Die Rohrleitungen sind in der Erde und die Mennos haben mit mir nichts zu tun. Desweiteren, was sollen die Leute im städtischen Bereich machen, wenn Essap nicht liefern kann, Hauptsache die “ Beamten“ bekommen mehr Geld fürs nichts tun. Aber so können die wenigsten auch nichts falsch machen

          1. Kuno Gansz von Otzberg

            Die privaten Wasserlieferanten in staedtische Gebiete kommen gut bei der Bevoelkerung an so wie mir paraguayer sagen. In Benjamin Aceval/Villa Hayes kostet ein Monat Wasserbezug bei Essap rund 15000 Gs wo der Privatier ihnen das fuer doppelte 30000 Gs liefert. Das zahlen sie gerne weil wenigstens der Hahn immer Wasser hat. Es scheint als ob die Leute gerne 2 bis 3 mal soviel fuer Wasser zahlen wenn nur der Service zuverlaessig gewaehrleistet wird. Nichts ist wohl aergerlicher wenn man mit eingeseiftem Kopf unter der Dusche steht und das Wasser ploetzlich versickert (im Chaco ein Problem bei Stromausfall da man da meist Druckpumpen braucht). Oder man will den traditionellen „telele“ (Terere) trinken, und kein Wasser kommt aus den Leitungen.Bis zu 100000 wuerden die Leute schon fuer zuverlaessige Wasserversorgung pro Monat hinblaettern.
            Solange der Staat versagt, lachen sich die Privatiers ins Faeustchen… Ne Wasserpumpe zu reparieren kann schon ins Geld gehen, da Paraguay wie in der DDR, der Mechaniker den Goldesel besitzt.

  2. Was heißt hier: … „siegte die Unvernunft“? Wo in diesem Land gibt es „vernünftige Menschen“? Wo in diesem Land gibt es Menschen mit Verantwortungsbewußtsein und logischem Verstand`? Da geht eher das ganze Land vor die Hunde, bevor hier jemand seinen Verstand gebraucht. Mag ja sein, daß es ein paar wenige mit logischem Verstand und Verantwortungsbewußtsein gibt, doch leider habe ich noch keinen davon angetroffen und unter den Politikern wird man ebenfalls vergeblich suchen. Was für ein Desaster!

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