Wirtschaftsflüchtlinge

Viele Deutsche, Schweizer, Österreicher oder andere Auswanderer eröffnen Kneipen mit Heimatbezug. Warum nur? Liegt es an einem altbekannten Sprichwort oder ist es die Verbundenheit zur alten Heimat?

Betritt man ein Restaurant in Melgarejo, den Namen lasse ich mal weg auf Wunsch des Inhabers, diejenigen Leser, welche dort verkehren werden es wissen, fühlt man sich wie in einie Biergarten nach Deutschland versetzt. Große Biertische, zwar nicht unter Kastanien-, sondern Mangobäumen bieten Schatten. Es gibt sogar Bierfilzl, wie die Bayern sagen, als Untersetzer für kühle Getränke. Auf der Getränke- und Speisekarte finden sich Fassbier sowie Wurstsalat. Der Wirt, über 50, befolgt seine Linie in der Speisekarte seit Jahren, Änderungen gibt es kaum, außer bei den Preisen, der Erfolg gibt ihm Recht.

Das mögliche Vorurteil, dass hier nur einige Heimatliebende anwesend sind ist nicht ganz richtig, in der Mehrzahl sind es Einheimische, die diese Lokalität besuchen, zurückzuführen auf stetige Qualität und Quantität. Es gibt unzählig andere Beispiele ähnlicher Unternehmungen, viele hatten und haben Erfolg, andere gingen sang- und klanglos unter.

Ein anderes Beispiel ist ein Restaurant in Caacupé, schon viele Jahre in Betrieb, auch hier vermeide ich die Namensgebung, fairerweise. Der Wirt sagte mir, es gebe viele Lokale vor Ort, wie auch im erstgenannten Beispiel, alle haben ein gemeinsames Ziel: Gewinne zu erzielen, gute Speisen anzubieten und ein Stück Heimat zu vermitteln.

Dies trifft hier am ehestens zu, denn man sieht, bei persönlich häufigen Besuchen, grundsätzlich nur Deutsche, Schweizer oder andere deutschsprechende Gäste, Einheimische fehlen fast gänzlich. Der Wirt sagt „ich biete bodenständige Kost zu normalen Preisen an, das zieht, warum sollen dann die Leute Zuhause noch kochen“, betont aber, ich bin bald 62, in drei Jahren ist Schluss, der Betrieb wurde schon runtergefahren, im Hinblick auf die Öffnungszeiten, sechs Tage in der Woche sind anstrengend. Es darf hier, im Gegensatz zu anderen Lokalitäten, noch drinnen geraucht werden, der Wirt freut sich auch darüber, er genießt diese persönliche Freiheit und Leidenschaft selbst als Kettenraucher, wenn man es so nennen darf, er mag es mir verzeihen.

Übrigens, er macht den Service, seine langjährige, paraguayische Lebenspartnerin steht am Herd und kocht wirklich sehr gute deutsche oder internationale Gerichte, ab und zu gibt es auch einen Schweizer Fondue Abend, da soll noch einer sagen, die Paraguayer kochen nicht gut, wo ein Wille da ein Weg.

Die These aufzubrechen, wer, wann wo Essen geht ist nicht das Thema, entscheidend bei den Beispielen ist, sie haben es hier in Paraguay zu etwas gebracht und vermitteln den Auswanderen oder deren Nachkommen ein Stück Zuhause. In Caacupé ging es sogar soweit, dass die Bayern Fahne abgehängt werden musste motiviert durch Gegner des bayerischen Fußballklubs.

Es gibt noch viele weitere Modelle in ähnlicher Form, auch in Asunción findet man sie. Es gibt zum Beispiel eine Pizzeria mit deutschen Speisen und ein vegetarisches Lokal außerhalb der Innenstadt. Hier mischt sich aber wieder das Publikum, auch wenn alle Besucher, wie schon zuvor beschrieben, die Champions League verfolgen und gemeinsam jubeln.

Etwas dezenter geht es in einem Hotel und angrenzendem Restaurant zu, unter deutscher Leitung. Das Essen in dem russisch angehauchten Namen ist ausgezeichnet, wenn auch im oberen Preissegment angesiedelt. Der Junior Inhaber kann aber im persönlichen Gespräch schon einmal Tiefschläge austeilen, bei einem Besuch vor längerer Zeit, auf Kritik im Hotel angesprochen, sagte er zu mir „es würde mich freuen wenn Sie das nächste Mal ein anderes Hotel aufsuchen würden“, so viel zu deutscher Gastfreundlichkeit.

Sicher hätten es diese “Wirtschaftsflüchtlinge“ auch zu etwas in ihrer Heimat gebracht und dazu beigetragen, die Steuerkassen zu füllen. Die aufgeführten Beispiele können sich überall sehen lassen. Der deutsche Finanzminister würde sich freuen über die jetzt leider entgangenen Abgaben, um so mehr freuen wir uns über ein Eisbein mit Sauerkraut, Fondue und deutsche Geselligkeit.

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12 Kommentare zu “Wirtschaftsflüchtlinge

  1. Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands ist nicht seinem Bodenkapital zu verdanken. Auch nicht in erster Linie der Wirtschaftpolitik. Sondern der Ur-Deutschen Massenseele. Gewissenhaft, Analytisch, Win-Win orientiert, Hang zu dienen und Altruismus. Natürlich nicht bei allen, aber die Massenseele zeigt diese Tendenz. Daher ist das Deutsche Volk, wenn man die letzten 2300 Jahre betrachtet, eines der betrogensten Völker. Damalige Wirtschaftsväter hatten erkannt, dass man in dem hervorragenden Humankapital Deutschlands den Treu und Glauben gesetzlich schützen muss, um Ausbremsungseffekte zu vermeiden. Motivation unf Förderung Deutscher bringen unglaubliche Erfindungen und Qualitäten in die Welt, welche der Investor vermarkten kann und zwar dauerhaft. Wenn natürlich in den Parlamenten Deutschlands mehr Juristen und andere wirtschaftsfremde Spezialisten sitzen, als ganzheitlich wirtschaftlich denkende, haben wir ein Verlust, der ausgehend von der 8. Verschwendungsart, letztendlich jedes Ergebnis suboptimal macht. Fazit: Die schlechte Einbindung, der Fähigkeiten Deutscher im In- und Ausland, dürfte einen Verlust bedeuten, der in die hunderte von Milliarden Euro p.a. hochzurechen ist. Von Langzeiteffekten ganz zu schweigen. Wo sind jetzt die McWurst Ketten oder Alster-Lola Großunternehmen ?

    1. Weitere Ideen: Delikatess-Ketten, Ketten für gebrauche Fahrzeuge, Ketten für Maschinenbauerzeugnisse. Ales kozentriert sich immer auf Großaufträge. Die USA verdienen Unmengen mit Franchise im Endkundenvertrieb. Wo ist Aldi-Express als Konkurenz zu Carrefour-Express ? Ich bin sehr entäuscht über diese ungenutzten tausenden von Möglichkeiten und frage mich, was machen AHKs eigentlich in diesem Bereich ? Warum vergeudet man Chancen so grob fahrlässig ?

  2. Das wäre natürlich nur der Anfang einer Einbindungsstrategie, Ziel sollte letztendlich High-End- Produktion und aber besonders geschützter Vetrieb in der Welt sein. Ausgewanderte Deutsche jeden Alters sind eine ungenutzte Kapazität. Auch Entwicklungen im Ausland kann besser werden. Viele Ingenieure kennen Kundenanforderungen des Ziellandes nur vom Papier, aber nicht aus gelebter Erfahrung. Deutsche Qualität ist auf TQM Daten aus Zielländern abhängig um Poka Yoke zu betreiben.

  3. Und dann gibt es auch negative Beispiele in Caacupe. Da betitele einem der Wirt als Depp und Ar…..ch, schmeißt die Gäste regelmäßig aus seiner Bistro und beschwert sich dann anschließend, dass die anderen Lokalitäten ihn fertig machen wollen. Nur der fränkische D…..opf ist es selbst und merkt es nicht einmal.

  4. auch wir können dieses in Caacupe beschriebene Restaurant nur wärmstens empfehlen. Nicht nur das die Getränke und die Speisen so sind wie man es sich wünscht, nicht nur das die Preise auch absolut im Preis/Leistungsverhältniis passen, auch die Bewirtung sucht wohl seinesgleichen und dadurch ist das Ambiente wirklich nur empfehlenswert. Man merkt, die Menschen fühlen sich dort einfach wohl. Wir jedenfalls danken Rene für die immer wieder schönen Stunden in seinem Lokal.

  5. Wenn ein Lokal schon so positiv bewertet wird, warum sollte es dann Sünde sein es beim Namen zu nennen. Auch die Unwissenden würden gerne erfahren, wo man in Caacupe gut essen kann.

    1. Oha Asuncioner, jetzt hast Du mich aber aufm falschen Fuß erwischt. Wir leben ja beinahe 100 km von Caacupe entfernt und wenn wir dann hinfahren, fahren wir halt “ zum Rene“.
      Das Lokal heisst aber irgendwas mit “ de Octobre „. Da gehört halt noch ne Zahl davor.

    2. Vieler Lober – aber keine Kritiken? Das stinkt….
      Sei vorsichtig Asuncioner – komme am besten am Sonntag.
      Ich kenne das Restaurant auch und es war mal wirklich gut. Jetzt bekommt man salzige, geschmacklose Saucen, die Suppen sind eher dünne Brühen, Rouladen sind zähe wie Schuhleder usw.
      Vieles dort ist gut – das Ambiente, der Preis insgesamt, das Dessert, der Wirt, die Bedienung und auch teilweise das Essen. Dieses aber nur teilweise, weil die Küche manchmal an eine typische paraguayische Küche erinnert. Früher wurde alles oder fast alles frisch zubereitet – heute nimmt man es aus der Kühltruhe und es wird aufgewärmt. Lieber wie vor 6 Jahren (da war ich das erste Mal dort) nur 2 – 3 frische Gerichte als heute 6 Gerichte, von denen die Hälfte aufgewärmt wird und auch so schmeckt.

  6. Asuncioner

    das Lokal heißt 4 de Octubre.
    Du findest es, wenn du von Asunción kommst und durch Caacupé durchfährst.
    Kurz vor dem Friedhof geht es links rein und dann sind es nochmal ca 400 m.
    Auf der rechten Seite.
    @ich
    wir sind nicht oft dort ( zu weit ), aber mir wäre bisher nicht aufgefallen, daß die Qualität des Essens gravierend nachgelassen hätte.

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