Die erste Gnadenhochzeit in der deutschen Kolonie

Kolonie Independencia: Es ist sicherlich bemerkenswert wenn ein Ehepaar 70 Jahre verheiratet ist und sie durch dick und dünn gegangen sind. Die Gnadenhochzeit erreicht nicht jedes Paar. Umso erwähnenswerter ist es dann sicherlich.

Eine Statistik aus der BRD, veröffentlicht vor längerer Zeit vom Hamburger Abendblatt, berichtet, dass 10.000 Ehepaare die eiserne Hochzeit (65 Jahre) feiern konnten, deutlich seltener die Gnadenhochzeit.

Am Mittwoch, den 20. September 2017, konnten Frieda und Helmut Braselmann das Jubiläum in der Kolonie Independencia begehen. Am 20. September 1947 erfolgte die Eheschließung im Standesamt von Melgarejo. Geboren wurden beide im Jahr 1926.

Frieda war fünf Monate als sie mit dem Schiff nach Paraguay kam. Sie stammt ursprünglich aus Ohlsbach. Der Ort liegt im Ortenaukreis von Baden-Württemberg. Ihr jetziger Mann wurde schon in Paraguay geboren.

Oftmals hat sich bei den Kolonisten eine “Sandplatzliebe“ entwickelt, das heißt man lernt sich schon von klein auf kennen, lieben und heiratete dann.

„Ich ging in die Stadtplatzschule von Melgarejo. Helmut auch, acht Jahre lang. Langsam kamen wir uns näher und dann beschlossen wir irgendwann zu heiraten“, sagte Frieda Braselmann.

Sie zogen nach Manzana C, bei der Kolonie Independencia. Dort bauten sie sich ein Haus. „Viele Steine wurden ausgegraben und zum Mauern verwendet. Bäume wurden zu Brettern gesägt. Sie dienten als Dachstuhl und als Zwischendecke“, erzählte Helmut Braselmann.

Der deutsche Chor aus Independencia erlebte seine Geburtsstunde auf dem Anwesen der Jubilare. Mit Sturmlampen marschierten die Musik- und Singbegeisterten zu Fuß von der Kolonie auf das Anwesen und probten dort. Der Chor existiert heute noch.

Yerba, Wein und die Rinderzucht bildete in den Anfangsjahren die Haupteinnahmequelle des Ehepaars. Der Weinanbau liegt brach, weil es in der ganzen Kolonie einen Niedergang in dem Sektor gab. Die anderen beiden Zweige der Landwirtschaft bestehen aber noch heute.

Aus der Ehe von den Braselmanns gingen vier Kinder, sechs Enkel und vier Urenkel hervor. Einige sind nach Deutschland gezogen und meistern dort ihren Weg. Deshalb konnten auch nicht alle an dem Jubiläumstag dabei sein.

Wer nun denkt, dass die beiden 91-Jährigen ausruhen, täuscht sich. Sie treten zwar etwas kürzer, aber der Geist ist wach und der Wille eisern. Am Vormittag der Gnadenhochzeit sprang Frieda Braselmann kurz auf und sagte: „Hier riecht etwas“. Sie rannte in die Küche, weil das Brot in Gefahr war anzubrennen. Den Teig hatte sie in der Früh noch geknetet und dann in den Ofen geschoben. Manch einer weiß heute noch nicht wie Brot gebacken wird.

Die Jubiläumsfeier am Nachmittag verlief im kleinen Rahmen ab. Das Paar wollte kein großes Aufsehen erregen. Wer kommen wollte durfte kommen, und es waren etliche Freunde und Bekannte, die die Familienfeier vergrößerten. In fünf Jahren, so Gott will, steht die Kronjuwelenhochzeit an.

Wochenblatt / Fotos: Bianca Peter

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