“Die Rechtsunsicherheit ist die Quelle des Bösen“

Asunción: Karsten Friedrichsen, Präsident der Vereinigung der Sojaproduzenten (APS), fand deutliche Worte über die Lage in Paraguay. Er warnte vor weiteren instabilen Faktoren im Land.

Friedrichsen prangerte die Rechtsunsicherheit im gesamten Staatsgebiet an, die die landwirtschaftlichen Erzeuger bedrohe. Vor allem die Verdoppelung oder sogar Verdreifachung bei Landtiteln schaffe irreguläre Verhältnisse bei den Besitzrechten. „Wir hatten aber trotzdem im Jahr 2016 Glück. Es gab keine widrigen Wetterverhältnisse in Paraguay und die Produktivität war gut, obwohl die Preise nicht in dem Maße erzielt wurden wie erwartet“, erklärte der Präsident von APS über die Erfolge im Sektor der Soja.

Auf die Preise hat die Assoziation keinen Einfluss. „Der Faktor ist nicht groß beeinflussbar, aber wohl die äußeren Rahmenbedingungen. Im Bereich der Rechtsunsicherheit gibt es immer noch keine Lösung, mittelfristig wohl auch nicht“, klagte Friedrichsen.

Landwirtschaftliche Erzeuger und Genossenschaften sind verunsichert. Das Image des Landes wird beschädigt, was zu wirtschaftlichen und moralischen Verlusten führt. „Seit mehr als einem Jahr sprechen wir das Thema an. Es gibt überlappenden Landtitel und illegale Landbesetzungen. Aus dem Nichts erscheinen Grundbuchauszüge, es sind Geistertitel, obwohl die rechtmäßigen Eigentümer seit mehr als 40 Jahren ordnungsgemäße Papiere haben“, sagte Friedrichsen.

Ende Oktober wurden zwei Landarbeiter auf dem Feld getötet, einer in Santa Lucia und der andere in Minga Porã, Departement Alto Paraná. „Wir brauchen eine klare Antwort der Regierung über die körperliche Unversehrtheit der Landwirte, die nur ihrer Arbeit nachgehen. Ein Problem wird nicht durch Streitigkeiten gelöst, wenn eine Entscheidung endgültig gefällt wurde. Der einzige Weg ist ein friedlicher Dialog und eine gründliche Untersuchung der Eigentumsverhältnisse. Das Recht auf ein Privateigentum muss auf Grundlage der Verfassung respektiert werden“, betonte der Präsident der APS.

Quelle: ABC Color

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5 Kommentare zu ““Die Rechtsunsicherheit ist die Quelle des Bösen“

  1. Die Frage ist doch, was ist diese „Verfassung“ überhaupt wert, wenn sie durch findige & windige Advokaten, bestechliche Beamte und Einfluß nehmende Politiker so gedreht und verdreht werden kann, daß am Ende genau das als Rechtssprechung heraus kommt, was gewünscht wurde. Was ist in diesem „Rechtsstaat“ überhaupt Recht, richtig oder falsch? Auf wen oder was kann man sich noch verlassen? Jeder Grundstückskäufer muß jederzeit damit rechnen, daß vor irgend woher ein „früherer Besitzer“ wie aus dem Nichts auftaucht und angebliche Besitzansprüche geltend macht. Wenn man nur lange genug im Grundstücksregister gräbt, findet sich vielleicht doch ein Vorbesitzer der das Grundstück niemals im Leben verkauft bzw. übertragen hat. Oder man erfindet eben einen solchen. Theorietisch könnte einem das auch beim Autokauf passieren. Tja, das Leben in Paraguay ist voller Risiken und nur schön und gut für diejenigen, die alle Tricks beherrschen und/oder über die richtigen Beziehungen verfügen.

    1. Nach 21 Jahren PY erlebe ich heute einen herrlichen Tag: ich verkaufe mein letztes Grundstück. Jetzt kann mir keiner mehr bzw, jetzt können mich mal alle – besonders der Staat.
      Ich könnte ja eigentlich über meine Erlebnisse – insbesondere mit dem Staat – ein Buch schreiben!

      1. Und warum schreiben oder diktieren Sie das Buch nicht? Es gibt schon viel zu viele Bücher die Paraguay nur in den höchsten Tönen loben. Die Menschen aber, die sich überlegen nach PY auszuwandern wollen die Wahrheit hören. Nur wer beide Seiten der Medaille kennt, kann eine gute Entscheidung treffen.

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