Die Worte “mañana“ und “tranquilo“ im Alltag von Paraguay

Kolonie Sudetia: Wer länger schon in Paraguay lebt nimmt meistens die Verhaltensweisen der Paraguayer an. Die Worte “mañana“ und “tranquilo“ sind dabei von entscheidender Bedeutung.

Am Deutschen Sportplatz in der Kolonie Sudetia, Guairá, finden umfangreiche Bauarbeiten statt, die allen zugutekommen, sei es Besuchern oder Einwohnern.

Lange hat es aber gedauert, bis diese umgesetzt wurden. Der noch amtierende Sportplatzpräsident hatte wenig unternommen, andere im Vorstand rissen das Ruder herum.

Jedoch war das nicht einfach. Die Kolonisten, nicht nur in der Kolonie, hören das Wort “Deutschstämmige“ ungern, obwohl der Deutsche Pass begehrt ist und viele ihn haben. Jedoch färbt das Leben im Umfeld der Paraguayer ab. „Wir laden dich mal zum Asado ein“, sagte ein Kolonist. Das war vor mehr als drei Monaten. Bei den Paraguayern ist der Ausdruck bekannt. Wenn einer sagt, er kommt “mañana“ kommt er irgendwann. Wörtlich übersetzt heißt das Wort aber “morgen“.

“Tranquilo“ ist eine weitere Vokabel, die wörtlich übersetzt “ruhig oder keine Sorge“ bedeutet. Sie wird häufig verwendet und man weiß nicht, ob der Gegenüber einen nur auf dem Arm nimmt wenn er das Wort ausspricht oder es wirklich ernst meint.

Wie dem auch sei, so ähnlich lief es bei den Umbauten am Sportplatz. Der Präsident lud zur Versammlung ein “und fragte wann wir eine machen sollen“. Natürlich antwortete keiner auf diese Frage.

Andere Vorstandsmitglieder vom Sportplatz legten einen Termin fest und dann wurde beschlossen neue Platten zu verlegen und den Grillplatz komplett umzubauen. Das Projekt kostet in etwa 18 Millionen Guaranies und wird aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Seit drei Wochen sind die Arbeiten in Gang, mit fleißigen Paraguayern, die um 06:30 Uhr beginnen und gegen 19:00 Uhr aufhören. Sie kommen wirklich immer “mañana“ und halten ihr Wort. Auch auf die Frage, wann denn das Projekt fertiggestellt sei, kam nicht als Antwort “tranquilo“ sondern eine klare Aussage: „Wenn das Wetter mitspielt werden wir vor Weihnachten noch fertig“, sagte der Vorarbeiter von der Baustelle.

Es bleibt zu hoffen, dass die beiden “auslegbaren“ Vokabeln nicht noch häufiger Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch finden, egal ob bei Eingewanderten oder Einheimischen. Denn dann passiert mañana noch weniger in Paraguay als das eh schon der Fall ist.

Wochenblatt

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3 Kommentare zu “Die Worte “mañana“ und “tranquilo“ im Alltag von Paraguay

  1. Kenne auch so ein Wort: “prestar“
    Wenn einer sagt, “prestame“ kommt es niemals mehr zurück. Wörtlich übersetzt heißt das Wort “ausborgen“, bedeutet aber „geschenkt“.

  2. cerca del medio dia ist auch nicht schlecht. wenn man ab 11:00 wartet, merkt man um 18:00, dass sie schon um 10:00 da waren…

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