Flucht durch Tunnel: 75 Häftlinge türmen aus Gefängnis

Pedro Juan Caballero: Immer wenn man denkt, dass es nicht schlimmer kommen kann, wird man eines Besseren belehrt. Wieder einmal schafft es Paraguay mit einer Schlagzeile schlecht von sich reden zu machen.

Ein Gefängnisausbruch mit insgesamt 75 Flüchtigen ist nichts Alltägliches. Wahrhaft überrascht ist jedoch keiner im Land. Korrupte Strukturen bilden den Nährboden für solche Schlagzeilen, die nur selten außerhalb Südamerikas Gehör finden. In diesem Fall war es jedoch von der New York Times über Bloomberg Australien hin bis zur DPA allen ein Anliegen diese Nachricht zu verbreiten, wenn auch zeitversetzt 9 Stunden später.

Abgefackelte Geländewagen wurden unweit der Grenze in Brasilien gefunden. Wenigstens ein halbes Dutzend soll damit nach Brasilien gekommen sein. Insgesamt sind etwa die Hälfte der Flüchtigen Brasilianer, die andere Hälfte stammt aus Paraguay. Während die Brasilianer mit Hubschraubern nach den Flüchtigen suchen, bot die paraguayische Justizministerin ihren Posten an. Präsident Abdo nahm das Angebot jedoch nicht an. Sicherlich findet sich derzeit keiner der die Aufgabe übernehmen will. Insgesamt 28 Gefängniswärter wurden vorübergehend verhaftet und sollen nun Stück für Stück gefragt werden. In der Tat wird die Suche jedoch bald erfolglos abgebrochen. Einige Scheine wechseln die Taschen und alles bleibt beim Alten.

Da am 16. Dezember vor genau solche einem Ausbruchsplan gewarnt wurde und ein Gefängnisnotstand die Polizei und das Militär ausdrücklich dazu verpflichtete die Regionalgefängnisse intensiver zu überwachen zeigt der Ausbruch nur wie lapidar ein jeder einzelner seiner Arbeit nachgeht. Da kein Präsident je im Stande sein wird solche Strukturen zu demolieren, darf auch von keinem erwartet werden, dass sich etwas bessert.

Nachfolgend die Liste der Geflohenen:

Oberes Stockwerk – Paraguayer

Walter Torales
Gustavo Ariel Tabares
Sabio González
Daniel Paredes Morel
Enrique Duarte
Orlando Torres
Jorge Damián Villamayor
Hugo Ramón Pizuino
José Adrin Ojeda
Osvaldo Ferreira
Delrosario Gómez
Fidel Cristino Cardozo
Milciades Sanabria
Richard Antonio Robles
Rubén Gustavo Núñez
Silvio Gorrido
Santiago Núñez Irala
Moisés Rojas
José Antonio Marín
Cristín López
Francisco Peralta
Alberto Ariel Cristaldo
Gustavo Gómez
Robert David Cristaldo
Luis Martínez Vera
Cristian Vera
José Adrián Melgarejo
Marcio Valenzuela
Celso Luis Alvarenga
Ronal Francisco Brítez
Alejandro Mongelós
Sandro Robles
Héctor Silva
Édgar Cabrera

Oberes Stockwerk – Brasilianer

Welinton Rocha Nery Da Costa
Angelo Batista De Almorin
Eduardo Alves Dacuña
Flavio Rotela
Jhon Barboza
Francisco De Chagas
Rafael Carballo Da Silva
Mauro Vieira
Derliz Marquez González
Lucas De Souza
Wilian Santos
Lacson Da Silva Paula
Rodrigo Da Silva
Ricardo Smanioto
Odaia Ferreira Dos Santos
Cleiton Nunes

Unteres Stockwerk – Paraguayer

Francisco Benardo Giménez

Unteres Stockwerk – Brasilianer

José Antonio Dos Santos
Timoteo David Ferreira
Alex Dos Santos
Wilian Bejanmín González Salinas
Jacson Rafael Dos Santos Da Silva
Felipe Diogo Fernández
Alla Dos Santos Gadeche
Luis Antonio Varela Da Silva
Laurindo Dae Sousa Neto
Osvaldo Poginto
Murilo Rodríguez
Cicero Fernández Decimo
Reinaw Cantero
Rodrigo Rocha De Araujo
Marcos Paulo Valdez
Julio César Gómez
Ailton Betello Dos Santos
Rafael De Sousa N.
Wilson Curlo Torres
Alan Tavares Da Silva
Cicero Marco Silva
Lucas Alves Da Silva
Lucianno De Sousa Martínez
Claudinei Predebon

Wochenblatt

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8 Kommentare zu “Flucht durch Tunnel: 75 Häftlinge türmen aus Gefängnis

  1. Durch dieses Loch krochen doch keine 75 Personen, selbst meine Spinnenlöcher im Garten sehen im Abril abgenützter aus. Es gibt einen Gefängnis Eingang, den kann man öffnen und als Ausgang benutzen, aber gut ich kann mich ja täuschen.

    1. Ja, wahrscheinlich haben sie den Tunnel gegraben, um einen falsche Fährte zu legen. Und sind alle durch den Haupteingang raus spaziert. Glaube ich auch nicht, dass durch dieses 20×20 Loch überhaupt ein Mensch hindurch kommt (im letzten Artikel, das Loch im Gefängnis. Das auf dem Foto ist das Loch, wo sie raus gekommen ein sollen).
      Jedenfalls bin ich aufgrund der abgefackelten Autos nicht überrascht, dass auch Einheimische unter den Flüchtigen sind: „Endlich draußen, schon lange nichts mehr abgefackelt“. Und das Zittern hat nachgelassen.

  2. Ich finde es eine Frechheit diese Gefangene fuer Geld zu erpressen und sie dazu noch einen Stollen graben zu lassen wo sie nie benutzen durften um zu fliehen

  3. Kuno Gansz von Otzberg

    Antworten

    Man muss jetzt schauen dass keiner deiner Neuangestellten wie obige heissen denn diese verkriechen sich gerne in einer abgelegenen Estancia im tiefsten Chaco oder im dichter bevoelkerten Ostparaguay um unterzutauchen.
    Auch im Gefaengnis handelt es sich bei den Waechtern um eine gewachsene hierarchische Struktur. Genauso wie bei den Mennoniten und deren Kooperativen. Wer nicht mit der Korruption mitmacht der wird aus irgendwelchen Gruenden aus dem System geschmissen und darf sich anderwertig verweilen. Die Unterschiede sind nur minimal und die Wesensart fast genau dieselbe.
    Versuch nur mal etwas anders zu sein unter Mennoniten und schon sieht man sich sehr schnell auf der Strasse wieder – man passe nicht ins System und kann nicht „gehorchen“. Macht er bei dem Wegsehen im Gefaengnis nicht mit so gilt das als Gehorsamsverweigerung und der ehrliche Waerter fliegt raus. Hier wie dort eigentlich identisch dasselbe nur verschiedene Interessensgruppen und verschiedene Brotgeber.
    Wes Brot ich ess‘ dess Lied ich sing‘, gilt im Privatsektor wie im oeffentlichen Sektor.
    Nur eben Glaubensgemeinschaften haengen leichter den Biedermann raus als Beamte die historisch als korrupt gelten. Die Unterschiede sind minimal aber der modus operandi immer sehr aehnlich wenn nicht identisch.
    Nach FBI Studien dauert es gerade 25 Jahre um eine Institution wie die der Kooperative oder Gefaengnissystem der Justiz zu korrompieren, d.i. zu unterwandern und vom Scheitel bis zur Sohle korrupt zu machen. Das ist bekanntlich die Zeit wo die Kinder der Beamten ins Unternehmen eintreten (2. Generation) und wo die alten Beamte in die Pension eintreten.
    1. Korinther 5,6 „Euer Rühmen ist nicht gut! Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?“
    Ein Sauerteig durchsaeuert halt den ganzen Teig.
    Matthäus 13,33 „Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war.“
    Die Frau ist die Braut Jesu, also die Gemeinde, d.i. die Kirche. HEIMLICH laesst die Kirche den Sauerteig, d.i. die Suende ins Reich Gottes. Sauerteig (Hefe) ist die Suende. 3 Scheffel Mehl und nicht 2 noch 4 sondern warum gerade 3? 3 steht fuer die Dreieinigkeit Gottes. Es sind die wahren Christen unter die die Kirche versucht die Suende zu mischen. Mehl ist ne Anspielung an die Schaubrote im Tempel. Der Leib Christi symbolisieren diese. Die Schaubrote wurden aus Mehl gemacht ohne Sauerteig.
    Der geneigte Leser merkt also wie sehr dieses Gleichnis auf das Alte Testament rueckschliesst.
    Am Ende der Tage werden es die Kirchen sein die den Leib Christi, die wahre Gemeinde zur Suende verleiten wird.
    3. Mose 2,11 „Kein Speisopfer, das ihr dem Herrn darbringt, darf aus Gesäuertem bereitet werden; denn ihr sollt dem Herrn keinen Sauerteig und keinen Honig als Feueropfer in Rauch aufgehen lassen.“
    Sauerteig manifestiert sich in falsche Lehren und allerlei Bibelwidriges.
    Matthäus 16,12 „Da sahen sie ein, daß er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.“
    Man muss schon wirklich ne „Neue oder andere Kreatur“ sein um nicht im Privat- oder Staatssektor teil solcher Schemata zu sein.

  4. Warum sollte das nicht möglich sein, Roland??? Sie haben eben hineinander, einer nach dem anderen, das Gefängnis verlassen, nach dem Vorbild des Ulmer Spatz, falls Du schon etwas von diesem gehört haben solltest, und nicht alle zugleich. . Und es ist bei weitem nicht das erste Mal, daß in paraguayischen Gefängnissen ein derartiger Gefangenenausbruch durchgeführt wird, das hat man u.a. auch schon in Asuncion im „Hitón Tacumbú“ erlebt. Auch da wurden schon die Außenmauern „untergraben“, was einer großen Anzahl von Strafgefangenen zur zumindest vorläufigen Freiheit verholfen hat.

    1. Möglich ist alles, ich kann ja Unrecht haben, nur scheint der Ausstieg auf dem Foto nicht benutzt? Und wieso sollen sich die alle schmutzig machen, wenn es doch viel einfacher durch die Türe geht? Die nächsten Tage lesen wir sicher mehr, wie sich das abspielte.

  5. Der paraguayische Staat mit seinen Führungspersonen macht sich wiederholt international zur Lachnummer.
    Schon die Itaipu-Geschichte mit dem „geheimen Vertrag“ war unglaublich, dann ist der Ex-Präsident Cartes mit einem international gesuchten Geldwäscher dick befreundet (bin mir auch sicher dass er mit der EPP gemeinsame Sache gemacht hat)
    Dann noch das täglich Brot: Parallele Konten in den Rathäusern, Drogengeschäfte mit Segen von Spitzenpolitikern, korrupte Minister, sogar welche die Firmeninhaber sind und ungeniert Privatleute betrügen, Veruntreuung öffentlicher Gelder – in einem funktionieren Rechtssystem müsste wohl die halbe Bevölkerung hinter Gittern sein.
    Irgendein Weggefährte vom Drogenkönig Pablo Escobar hat doch erst vor einigen Jahren gesagt, das Paraguay ein Paradies für Kriminelle ist, als bekannt wurde das das komplette Polizeiwesen in Amambay, Canindeyu bzw. Alto Parana komplett in der Hand brasilianischer Verbrechersyndikate ist.

    Wo wird das alles enden? Vielleicht in eine Massenemigration, weil jeder halbwegs vernünftige diese Zustände nicht mehr erträgt? Vielleicht Aufstände? Oder geht es immer wieder so weiter – Geld ist ja schliesslich reichlich um Umlauf in wenigen Taschen zwar, aber die Armen werden ja auch irgendwie satt…

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