Meine Reise in’s Pantanal und auf der „Che Guevara“ Route in Bolivien

Seit 3 Wochen sind wir wieder aus Südamerika zurück und denken gerne an die 4-Wochentour, wo unsere multinationale T(G)ruppe mit Eckard (stellt sich selbst als gemeiner Hunsrücker vor), James (kein Engländer, sondern Saarländer), Joachim (gebürtiger Hesse mit paraguayischem Blut) und Carmen (feurige Mexikanerin und Freundin von Joachim) und Walter (lebt in Paraguay mit seiner Domi, 2 Landrovern und seinen Enten) eine wunderschöne Tour durch Brasilien (Pantanal), Bolivien (Che-Guevara-Route) und Paraguay (Chaco) gemacht haben. Fast 6000 Kilometer hat uns Walter mit seinen Landrovern, genannt: Gustaf 2 und Gustaf 3 (Abkürzung für Gutes Stabiles Fahrzeug) begleitet. Walter war Mitreisender, Organisator, Dolmetscher, Mechaniker, kurzum ein Freund in ständiger Rufbereitschaft. Viel fragen musste er für uns, aber noch viel mehr Fragen beantworten. Sein Motto war: Probleme werden dann gelöst, wenn sie auftreten. Eckard’s Credo lautete: Erfolg ist 95 % Vorbereitung. Unsere Tour bewegte sich also zwischen südamerikanischer Gelassenheit und deutscher Gründlichkeit. Wir kamen alle heil und unversehrt zurück, bis auf Eckard. Er hatte ab und zu vergessen, sich gegen die Moskitos zu schützen. Dementsprechend sah er dann auch aus. Wie gesagt: Erfolg ist 95 % Vorbereitung!

Die beiden Landys haben auf den km-langen roten Staub- und Sandpisten viel schlucken müssen. Aber auch wir haben viel geschluckt, insbesondere wenn es die „klimatischen und äußeren Bedingungen“, wie Eckard zu sagen pflegte, zuließen. Und bei den Temperaturen waren die Bedingungen oft erfüllt. Der Saarländer James, ein geeichter Antialkoholiker, hat sogar auf der Tour das kontrollierte Trinken gelernt. Mit zunehmender Übung wurde er immer sicherer im Umgang mit den Bierdosen und zum Schluss lag seine Verträglichkeit im grünen Bereich. Das allseits beliebte Bier, auch Brahma genannt, hat Walter dazu inspiriert einen Song zu texten, dessen Melodie uns durch Mark und Knochen ging – aber dennoch mit stolzer Brust und Herzenslust gesungen wurde: Brahma, Brahma über alles, über alles in der Welt …Aus bierernsten Gründen darf der ganze Text nicht veröffentlicht werden.

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Schöne Abende hatten wir mit Gitarrenmusik und Brahma erlebt. Gutes Essen in brasilianischen Autopostas oder bolivianischen Restaurants waren immer eine Überraschung. Camping, d.h. schlafen im Moskitozelt auf dem Dach oder im ausgebauten Landrover, phantastische Fauna und Flora im Pantanal, Fahrt auf der Transpanteneira über 124 teils sehr brüchige Holzbrücken, bewacht von lauernden Kaimanen im Wasser, netten Globetrottern-Bekanntschaften wie Miriam und Jesus aus Heidelberg oder das Schweizer Pärchen Anita und Roger, sowie zahlreiche Übernachtungen in sternenlosen Hostals incl. Bettwäsche und kleinen tierischen Mitbewohnern sorgten für permanente Abwechslung auf der Tour.

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Ein Highlight war auch die „Che-Guevara-Route“ von Samaipata über Vallegrande bis Monteagudo, welche wir in 3 Etappen mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 20 km/h zurückgelegt haben, schneller ging es nicht auf der Piste.

In Samaipata lernten wir Anne aus Leipzig kennen, die dort an der Plaza seit Januar ein Restaurant betreibt mit einem kulinarischen Angebot, was weit und breit seines gleichen sucht. Unglaublich, was Annes Küche auf den Tisch brachte. Suppe, Hauptgang, Dessert und bolivianischer Rotwein für umgerechnet 2 Euro; für uns nicht viel, viel aber für Bolivianer. Das Essen war so gut, dass wir tags darauf nochmals vorbeischauten.

 

In Vallegrande haben wir bei dem jährlichen Traditionsfest einen weiteren Deutschen kennen gelernt, nämlich Eric. Er ist ein ehemaliger Entwicklungshelfer, der schon seit fast 40 Jahren dort lebt und uns die Che-Guevara-Route wärmstens empfohlen hat. In Vallegrande wurden 1997 die Gebeine von Che und einigen seiner Kämpfer ausgegraben, nachdem sie dort 30 Jahre unentdeckt verscharrt waren. Danach wurden sie nach Kuba gebracht und seinem alten Weggefährten „Fidel“ übergeben, der Che Guevara in Santa Clara, wo er seinen größten Sieg errang, eine würdige Ruhestätte gab. Vielleicht sind beide bald dort vereint. James, der Saarländer, wird am 20. 04. 06 jedenfalls dort Che die letzte Ehre erweisen, sozusagen als sein persönlicher Abschluss dieser Che-Route. Es sei ihm gegönnt!

Vallegrande, da war noch etwas. Da stand an der Plaza ein anderer grüner Landrover, Typ 109, V 8-Motor, Benziner – mit CH-Kennzeichen. Eckard sah am angebrachten Logo, die kenn ich, … die Internetseite. Schnell ums besagte Schweizer Auto und geschaut, wer da drin ist. Die Tür ging auf und der eidgenössische Willkommensgruß „Gruezi“ wurde von uns mit einem nüchternen „Hallo“ erwidert.

Aber dann: Eckard ließ die beiden, Anne und Roger, nicht mehr los. Er redete in seiner fachspezifischen Landrover-Sprache so auf die Zwei ein, dass beide gar keine andere Wahl hatten als uns auf unserer bevorstehenden „Che-Route“ zu begleiten. Und das war gut so. Ein nettes und sympathisches Globetrotter-Paar. Anita & Roger sind schon seit 14 Monaten mit ihrem Landrover namens Gaucho auf Tour durch Südamerika.

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Im Bolivien-Reiseführer wird die Che-Guevara Route als schönste Strecke Boliviens beschrieben – und das war sie auch, eine Wohltat für das Auge. Ein Ort der Ruhe hingegen war La Higuera, vielleicht 20 Einwohner, wo wir in der herrlichen „Posada telegrafista“ übernachtet hatten. In diesem Ort wurde Che am 9. 10. 1967 in der alten Schule erschossen. Die Posada del telegrafista wird von einem französischen Ehepaar geführt und dem entsprechend war auch das Abendmenü und das petit-déjeuner. Ein solches Essen in dieser gottverlassenen Gegend, unglaublich! Das Essen wurde in einem fast museal eingerichteten Raum serviert. Es war ein Gefühl als schaute Che Guevara uns zu. Auch die Nacht verbrachten wir unter seinen Augen – wohlbehütet haben wir alle gut geschlafen. Danach an der alten Schule am Gedenkstein noch ein Erinnerungsfoto mit 3 Landrovern, das war einmalig und machte uns den Abschied nicht leicht.

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Auch der Chaco in Paraguay ist einzigartig, kaum zu beschreiben, man muss ihn erlebt bzw. durchquert haben. Genauso wie der Besuch in der Mennoniten-Kolonie „Filadelfia“ und „Neuland“, wo wir bei dem deutschen Arzt Bela Ertel und seiner Familie übernachtet haben. Dr. Ertel ist in der Kolonie Neuland der Leiter des Krankenhauses und seine Frau die Leiterin der Altenstation. Dr. Ertel ist natürlich ein Freund von Walter und Joachim, mit dem er gemeinsam in Asuncion das Gymnasium besucht hatte.

Beeindruckend auch der Besuch des deutschen Stammtisches in der Kolonie Independencia bei Villarrica. Interessant bei diesem sonntäglichen Männertreff sind die Biografien derer, die in Paraguay hängen blieben oder dorthin ausgewandert sind, wie der Ex-Franziskaner Miguel, der Sprache und Ausdruck perfekt beherrscht; ein Genuss ihm zu zuhören.

Viele Eindrücke, Erlebnisse und Ereignisse, nicht nur Technisches, nein, auch Menschliches inner- und außerhalb der Gruppe, werden in unseren Köpfen und Herzen bleiben. Erinnerungen wie: Eckard als Schmeichler (verteilte hin und wieder seine schmackhaften „Werthers“), Eckard als Kreisläufer um das Lagerfeuer im Pantanal (unruhig, getrieben von dem Gedanken: wie fange ich einen Kaiman), Eckard als Dentist (zog einem toten Kaiman einen Zahn und steckte in die Lücke eine Marlboro:“ Rauchen kann tödlich sein“) werden im Detail nicht veröffentlicht, sie bleiben unser aller Geheimnis.

Falls bei Dir lieber Leser/in und Südamerika-Fan „die Zeit reif ist“ eine solche Tour mit Walter im Landrover oder in seiner 2-CV „Saharaente“ zu machen, dann wende dich an „Enten-Eckard“. Er ist von 2CV-Tours der Ansprechpartner in Deutschland und gerne behilflich deinen Traum zu verwirklichen.

Euer James

(Wochenblatt / 2cv-tours.de)

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