“Verlogene Statistik“: Gewerkschaften kritisieren Inflationsberechnung der Zentralbank

Asunción: Im Hinblick auf die Verhandlungen über die jährliche Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns berichteten die Gewerkschaftsverbände in einer Pressekonferenz, dass der Kaufkraftverlust der Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren kumuliert zwischen 20 % und 25 % liegt. Daher fordern sie auch in diesem Jahr eine Erhöhung um 20 %.

Der aktuelle Mindestlohn beträgt 2.899.048 Guaranies. Die Forderung beläuft sich auf eine Anpassung auf 3.500.000 Guaranies, die zum 1. Juli in Kraft treten soll. Zudem kündigten die Verbände für den 1. Mai, den Internationalen Tag der Arbeit, eine Protestaktion um 09:30 Uhr vor dem Arbeitsministerium an. Gefordert werden neben Lohnverbesserungen auch Gewerkschaftsfreiheit, Zugang zur sozialen Sicherheit und Respekt gegenüber den Arbeitnehmern.

Ramón Ávalos von der Nationalen Arbeiterzentrale (CNT) betonte, dass man an der Forderung von mindestens 20 % festhalte, um ein Gleichgewicht herzustellen, das die Kosten für den Grundbedarf einer Familie deckt.

Kritik an der Berechnungsmethode

José Pineda, Vizepräsident der CUT-A (Central Unitaria de Trabajadores Auténtica), erklärte, dass man mit der Nutzung der Inflationsmessung für die Lohnanpassung nicht einverstanden sei, da diese nicht der Realität der Arbeiter entspreche und der Mindestlohn “nicht ausreiche“.

Pineda warf der paraguayischen Zentralbank (BCP) vor, eine “verlogene Darstellung“ der statistischen Inflationsdaten zu liefern, da diese jährlich nie über 2 % bis 3 % hinausgingen. Im Gegensatz dazu seien die Preise für den Grundnahrungsmittelkorb innerhalb eines Jahres um 20 % gestiegen, Fleisch verteuerte sich im selben Zeitraum um 25 %, und Lebensmittel allgemein seien in den letzten zehn Jahren um 90 % teurer geworden.

Der Mindestlohn hingegen sei im gleichen Jahrzehnt lediglich um 45 % bis 50 % gestiegen, beklagte er. Er kritisierte zudem, dass die BCP basierend auf Daten von 2017 schätze, dass nur 26 % des Mindestlohns für Lebensmittel ausgegeben werden.

Angesichts der Äußerungen von Präsident Santiago Peña zugunsten einer Lohnerhöhung entgegnete Pineda, dass bloße Meinungen der Arbeiterklasse nicht hülfen. Nötig sei eine engagierte Politik, um die Berechnungsmethode für die Lebenshaltungskosten und die Mindestlohnanpassung zu ändern, die er als “Betrug“ bezeichnete.

Das Arbeitsministerium verhält sich laut den Sprechern bezüglich eines Termins für das Dreiparteien-Treffen (Consejo Consultivo Tripartito) noch still. Vizearbeitsminister César Segovia erklärte, dass man den Termin aktuell abstimme und mit einem Treffen noch in dieser Woche rechne.

Wochenblatt / Ultima Hora / Beitragsbild Archiv

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