Verschwenderische Regierung, arme Bauernschaft

Asunción: Das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht (MAG) könnte mit 2.000 Beamten “gut arbeiten“, jedoch existieren 3.200, von denen 75% “administrativ“ und 25% “operativ“ sind. Während sie in Saus und Braus leben, verarmt die Bauernschaft.

Allein 85% des Budgets sind laufenden Ausgaben im MAG (Gehälter und Subventionen). Minister Marcos Medina legte vor kurzem die Daten offen. Sie zeigen den Grad der Irrationalität, der in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde, um das politische Klientel auf Kosten des allgemeinen Interesses zu befriedigen. Die harte Realität des Ministers macht deutlich, dass der Staatsapparat heute eher ein Problem als eine Lösung ist.

Ohne externe Ressourcen wie Kredite und Spenden könnte das MAG überhaupt nicht funktionieren.

1.200 Beschäftigte im Landwirtschaftsministerium erhalten pünktlich ihr Gehalt, ohne etwas zu tun zu haben. Was die formelle Verteilung der “Aufgaben” angeht, verdreifachen sich Bürokraten in klimatisierten Büros, die unter anderem die landwirtschaftliche Viehzucht fördern sowie Bauern und Kleinbauern aus- und weiterbilden sollen.

Es ist nicht unbedingt so, dass sie faul sind, sondern dass sie überflüssig sind, dass sie nichts zu tun haben: Ihre Abwesenheit beeinflusst die Leistung des Ministeriums überhaupt nicht. Einige Zyniker werden sagen, dass es besser ist, dass sie in ihren Häusern bleiben, weil sie diejenigen, die arbeiten oder das Büro für ihre speziellen Angelegenheiten nutzen, nicht stören sollen. Aber der Punkt ist, dass sie auf Kosten der Steuerzahler leben, ohne dem Land irgendeinen Dienst zu leisten, und, um die Sache noch schlimmer zu machen, die Gelder, die zur Förderung der ländlichen Entwicklung bestimmt, aufzehren.

Die Schuldigen ihres unerträglichen Parasitismus sind weniger sie selbst als diejenigen, die sie im Laufe der Jahre im Staatshaushalt installiert haben, aus dem einfachen Grund, weil sie Glaubensgenossen, Verwandte oder Freunde von ihnen sind. In diesem Sinne sind die MAG-Beamten, die den Vorentwurf für das Budget an das Finanzministerium vorbereiten, verantwortlich, dass alles so bleibt wie es ist und ja nichts geändert wird.

Die krasse Realität, die Minister Medina vorträgt, macht deutlich, dass der Staatsapparat heute eher ein Problem als eine Lösung ist. Es geht im wesentlichen um sich selbst, das heißt, um seine Angestellten und nicht um das Gemeinwohl, aber es wird immer noch angenommen, dass alles durch die “Präsenz des Staates” irgendwo und irgendwie arrangiert wird, als gäbe es einen Zauberstab.

Kurz gesagt, die zukünftige Regierung mag die besten Absichten haben, aber sie wird am Ende wie die derzeitige versagen, wenn die Ressourcen in den einzelnen öffentlichen Einrichtungen nicht richtig zugewiesen werden und sie weiterhin so überbevölkert sind wie eh und je. Es lohnt sich, auf dieser Offensichtlichkeit zu bestehen, weil wir uns ambitionierte Ziele vorstellen, mit denen wir uns alle einig sind, ohne den politischen Willen oder die geeigneten Instrumente zu haben, um diese Ziele zu erreichen. Daher ist die Frage nicht so sehr, was zu tun ist, sondern wie man es macht.

Eine unabdingbare Voraussetzung für die Überwindung der Armut ist eine tiefgreifende Reform der öffentlichen Verwaltung, für die wir ein echtes Interesse am kollektiven Wohlergehen haben müssen, und den Mut, sich den Politikern und ihren Gefolgsleuten im Allgemeinen, einschließlich privilegierter Gewerkschafter, zu stellen. Ansonsten wird die Bauernschaft immer ärmer und ihr zuständiges Ministerium und deren Angestellten immer reicher.

Wochenblatt / ABC Color

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7 Kommentare zu “Verschwenderische Regierung, arme Bauernschaft

  1. In Paraguay braucht es 75% des Managements eines jeden virtuellen Misteriums (man sieht es zwar, aber real vorhanden ist es nicht), die das Strategische Management bilden, um eine Strategie und eine Vision der nächsten Jahre der 25% im Operativem Management Arbeitenden auszuarbeiten. Das kostet den Steuerzahler halt jährlich ein paar Millionen US-Dollar. Dafür sind Tio, Amigo, Padrino und Hermano auch speziell ausgebildet.
    Oder kurz gesagt: Die Bauern, die weder strategischen noch operativem Management angehören arbeiten auch ganz von alleine, wollen sie nicht verhungern.
    Auch wenn Mister Marcos Medina vor kurzem die Daten (im Artikel) offen legte, die die Anforderungen eines Misterjobs einen erfolgreichen Abschluss von fünf Stunden täglich Grundschule (7-11 Uhr), pardon vier Stunden, aufzeigen, wird er auch morgen noch Mister sein. Er macht doch seinen Job gut. Von was sollen denn Tio, Amigo, Padrino und Hermano sonst leben?
    Es ist ja nicht so, dass Tio, Amigo, Padrino und Hermano nicht arbeiten. Nur anderswo. So ist es doch nur sinnvoll – wenn man anderswo 170 Euro verdient, wer kann davon schon leben – dass sie auch noch einen kleinen Zustupf von Seiten des Staates von einigen Millionen Guaranies bekommen.
    Es ist nichts weiter als gerecht, dass auch diese Beatmeten vom Beatmetenhäuschen mit Nichtszun Zahltag bekommen. Die anderen in den anderen 500.000 Ministerien bekommen es auch.
    Zum Beispiel die Leute der Präsidentschaftswahlen haben momentan drei Jahre Ferien bei vollem Lohn, zwangsbedingt, da erst in vier Jahren wieder Präsidentschaftswahlen sind. Ja sollen die den verhungern? Anderswo arbeiten tun sie ja schon, aber das reicht nicht für Bier, eine Hugihugi-Musik-CD, Streichhölzer, Kerzen für Stromausfall, Yogur und Galletitas für die Kinder, ein Tactil-Celular für die Berechnung der Minimal- und Maximalwerte der Quadratischen Gleichung und wirklich totgegrilltem Leder sonntags.

  2. Schuld an diesem verbrecherischen Schmarotzertum haben die Partei-Amigos. Denn sie sind es, die solch überflüssiges und zumeist unqualifiziertes Personal auf sinnlose Pöstchen bringen. Entweder als Dank für Wahlstimmen oder schlicht weg um den Staat, also die Bürger, rücksichtslos und brutal auszunehmen. Dabei hindern sie weder Moral, Anstand, Verantwortungsgewußtsein, Staatsanwalt oder sonst wer von der Justiz. Nicht einmal die Bürgerschaft begehrt dagegen auf, weil sie nie etwas anderes kennen gelernt haben und glauben, so ist das Leben eben. Also bleibt alles wie es ist und alles Wehklagen verhallt im Wind. Nach 15 Jahren Paraguay bin ich völlig desillusioniert und glaube auch nicht mehr daran, daß sich jemals an diesen Zuständen etwas ändern wird.

  3. Wenn wirklich 80% aller Steuereinnahmen in Paraguay nur für Löhne des Amigo Staats Apparates ausgegen werden, bleibt nichts mehr übrig für andere Ausgaben, mit den neuen Krediten lassen sich fast nur Zinsen der Kredite bezahlen. So viel Potenzial Paraguay auch hat mit jungen Arbeitskräften, das Land wird trotz Wachstum zugrunde gehen.

  4. Wie immer einseitig. Diese Experten der Wirtschaftstheoretik sind meistens selbst Beamte nehme ich an? Wir leben ja in einer Zeit der erfundenen Clubs für Wirtschaftstheorie, neuerdings auch Migrationstheorien weil Fachkräfte braucht es ja auch, die der Steuerzahler bezahlen muss.
    Wenn die Wirtschaft wirklich gut läuft, dann entstehen auch Arbeitsplätze von denen man leben kann sowie attraktivere Aufstiegsmöglichkeiten als bei Beamtenkarrieren. Es gab bei uns, man glaubt es kaum noch, Zeiten, wo so mancher sagte, in der Privatwirtschaft verdiene ich mehr als beim Staat. Heute ist dies zumeist genau umgekehrt, vor allem in Staaten wie Paraguay und vor allem ein halbwegs sicheres Arbeitsverhältnis kann eben nur der Staat garantieren. Die Wirtschaft garantiert mir gar nichts.
    Die Kritik an den Beamten stimmt, aber kündigt sie eben, dann gibt es ein paar Tausend Arbeitslose mehr inklusive Familien. Wer schreit als erster? Der Unternehmer, mir wurde was gestohlen, ich habe jetzt weniger Umsatz.
    Dieses Märchen, dass die eingesparten Gelder produktiv eingesetzt werden würden…, glaubt doch auch keiner mehr. Theorie ist eben Theorie. So wie der Kommunismus eine menschliche Natur erfand, die es nicht gibt, tut dies auch der Kapitalismus. Der eierlegende Wollmilchsauroboter, der keinen Strom braucht aber konsumiert.

  5. dat der staat inefizient ist is mir schon seit jahren klar, egal wat er anpackt et wird immer schlecht und teuer, denn keiner is verantwortlich, keiner zieht konsequenzen, wenn mal wieder n paar miliarden in den sand gesetzt werden, oder irgendein projekt vor die wand gefahren wird, tritt halt jemand zurueck, nimmt seine fette abfindung und kassiert weiter sei es durch ne rente oder die zusammenarbeit mit dem neuen amigo der an seine stelle kommt, dat is ueberall so, man muss nur genau hinschauen, vor 20 jahren oder so hab ich noch dran geglaubt dat et nur an den richtigen personen fehlt, und dat ganze waere irgendwie reformierbar, aber daraus wird nix, niemals und nirgendwo
    aber diese richtigen personen gehen nicht in die politik, und falls sie wat versuchen werden sie klein gehalten oder aus dem weg geraeumt, diese bande wird es nie zualssen dat man die tollen stellen fuer amigos aus der partei und familie reduziert
    und die steigernde anzahl der beamten wird sich staendig vergroessern um den steigerden beduerfinissen der steigernden anzahl der beamten gerecht zu werden, dat is n perpetuum mobile der buerokratie
    fuer normale menschen wird et halt immer teuerer, weil sie diese bande von parasiten finanzieren muessen
    wenn sie wenigstens entsprechend entlohnt waeren fuer die arbeit welche sie tun, also nix, denn sie bietet keine waren und diensleistungen an fuer die ein wirklicher bedarf besteht, dann waere dat ganze ja nicht mehr so attraktiv
    aber die tarife beim staat richten sich selten nach logik, et gibt halt nur beduerfnisse die zu decken sind, ob sie oekonomisch berechtigt sind is egal, wird halt an sinnvollen sachen wie infrastruktur oder nuetzlichen diensten gespart oder bei den leuten mehr geklaut falls inner staatskasse wat fehlt

  6. Zum Glueck arbeiten und krampfen hier wenigstens die Lehrer und geben Ihre Kenntnisse und Ihren Datendrang weiter an unsere Kinder und Jugendliche, denn nur so kann spaeter Paraguay zur Nummer eins der Welt werden!

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