Celeste Amarilla entschuldigt sich bei Menschen afrikanischer Herkunft – gibt gegenüber Mbappé aber nicht nach: „Das Problem besteht nur zwischen dir und mir“

Asunción: Die liberale Senatorin Celeste Amarilla betonte, dass sie nie im Namen des Staates gesprochen habe, und kritisierte das Außenministerium dafür, sich zu ihren Äußerungen über den Fußballstar Kylian Mbappé geäußert zu haben. In einem offenen Brief warf sie dem Spieler Arroganz und Geringschätzung gegenüber Paraguay vor.

Sie drohte mit rechtlichen Schritten, falls er seine Bezeichnung von ihr als „verabscheuungswürdig und ihrer Amtswürde unwürdig“ nicht zurücknimmt.

Die Äußerungen der Senatorin gegenüber Mbappé und dessen umgehende Antwort darauf haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Amarilla stellte klar, dass ihre Äußerungen rein persönlich gemeint waren und nicht die Position der Republik Paraguay widerspiegeln.

„Ich habe nicht in meiner Funktion als Senatorin oder im Namen Paraguays oder meiner Partei gesprochen. Ich habe aus dem privaten Umfeld heraus meine Meinung gesagt, weil er sich unhöflich verhält“, erklärte sie am Dienstag im Interview mit dem Radiosender Monumental.

Sie bezeichnete die Erklärung des Außenministeriums als „beschämend und verwerflich“. Darin hieß es, die Äußerungen der oppositionellen Abgeordneten gäben nicht die offizielle Haltung des Landes wieder.

„Dann schreiben sie, es handle sich um eine Einzelmeinung. Was soll das? Ich bin nicht die Regierung – die Regierung gehört der regierenden Partei. Meine Partei hat die Wahl verloren, ich bin Oppositionspolitikerin. Warum muss man auf das reagieren, was eine Senatorin der Minderheit sagt? Das verstehe ich wirklich nicht“, so Amarilla.

Sie zeigte sich zudem erstaunt darüber, dass sich sogar der französische Präsident Emmanuel Macron zu der Angelegenheit geäußert habe: „Er macht sich darüber Gedanken – ich verstehe das nicht.“

„Ich wusste zunächst nicht, wer Mbappé ist“

Vor ihren Äußerungen habe sie den französischen Stürmer gar nicht gekannt, erklärte sie. Erst als er sich vor dem Spiel gegen Paraguay geäußert habe, habe sie auf ihn aufmerksam geworden.

„Ich wusste nicht, wer Mbappé ist. Mich hat seine Aggressivität überrascht – etwa als er sagte, man müsse ‚die Hände in den Dreck stecken‘ oder davon sprach, den Frack abzulegen. Da habe ich angefangen, mich über ihn zu ärgern und mich genauer über ihn zu informieren“, sagte sie.

Nach ihrer Einschätzung verhielt sich Mbappé während des WM-Achtelfinales 2026 zwischen Paraguay und Frankreich „arrogant und unsportlich“.

„Er war unhöflich und respektlos. Er verstieß gegen die sportliche Ethik, indem er dem Torhüter nicht die Hand geben wollte. Das zeigt: Er mag zwar gut Fußball spielen, aber ein fairer Sportler ist er nicht – er reagierte wie ein beleidigtes Kind“, kritisierte sie.

„Ichwurde vom Volk gewählt“

Auf Mbappés Vorwurf, sie sei „verabscheuungswürdig und ihres Amtes unwürdig“, entgegnete sie: „Verabscheuungswürdig für wen? Unwürdig des Amtes? Ich habe Stimmen erhalten, ich wurde gewählt und nicht eingestellt. Fußballer spielen aufgrund eines Vertrages – er wird dafür bezahlt, Frankreich zu vertreten. Mich hingegen haben die Bürger Paraguays gewählt.“

Sie verteidigte zudem ihr Recht, sich auch zu Sportthemen zu äußern, ohne dadurch ihre politische Funktion in Frage zu stellen: „Warum darf ich nicht über Fußball sprechen? Verliere ich als Senatorin meine Bürgerrechte? Das Amt macht mich nicht zu einer stummen Frau ohne eigene Meinung.“

Die internationale Dimension der Kontroverse sei ihr unverständlich: „Dass sich Macron mit mir befasst, kann ich nicht glauben. Ich bin zwar Senatorin Paraguays, aber ich habe nur über Mbappé gesprochen. Wenn ein Abgeordneter sich abfällig über unseren Spieler Orlando Gill äußern würde – würde Präsident Santiago Peña deswegen Macron anrufen?“, fragte sie ironisch.

Entschuldigung für diskriminierende Äußerungen

Sie erklärte, warum sie einen ihrer Beiträge gelöscht hatte, in dem sie eine als diskriminierend eingestufte Formulierung verwendet hatte: „Ich habe es wirklich bereut und gelöscht. Wissen Sie warum? Ich habe dieselben Beleidigungen verwendet, die auch gegen uns Südamerikaner gerichtet werden. Auch wir hören Sätze wie ‚Ihr kommt von den Bäumen herunter‘ oder ‚Ihr lutscht nur Kokosnüsse‘. Ich habe ein Muster wiederholt, das ich eigentlich verabscheue – deshalb habe ich den Beitrag entfernt.“

Sie dachte, damit sei die Sache erledigt, räumte aber ein, später noch einmal öffentlich klargestellt zu haben, dass sie zu weit gegangen sei. „Ich dachte, mit dem Löschen sei es getan. Man löscht etwas, weil man es bereut. Gestern habe ich noch einmal bestätigt, dass ich über das Ziel hinausgeschossen bin.“

Gegenüber allen, die sich durch ihre Äußerungen angegriffen fühlten, sprach sie eine Entschuldigung aus: „Ich entschuldige mich bei Menschen afrikanischer Herkunft und allen Afrikanern. Es tut mir leid, dass ich einen abwertenden Ausdruck verwendet habe, mit dem auch Lateinamerikaner diskriminiert werden.“

Zudem erklärte sie: „Ich bin 61 Jahre alt und gehöre einer anderen Generation an – Äußerungen, die heute nicht akzeptabel sind, waren damals üblich. Ich entwickle mich weiter, setze mich für Frauenrechte ein und verstehe mich als Feministin. Dazu gehört, Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.“

Offener Brief an Mbappé

In einem offenen Brief an den Spieler verteidigte sie ihre Kritik, forderte eine Entschuldigung von ihm und wies darauf hin, dass sie bei Bedarf rechtliche Schritte wegen geschlechtsbezogener Gewalt einleiten werde.

Sie stellte klar, dass ihre Kritik nie gegen Frankreich als Land gerichtet war, sondern ausschließlich gegen den Fußballspieler: „Das Problem besteht nur zwischen dir und mir. Ich habe nie etwas gegen Frankreich gesagt – es geht nur um dich.“

Sie hob zudem ihre Verbundenheit mit der französischen Kultur hervor: Sie habe ihre gesamte Schulzeit an der französischen Schule L’Immaculée Conception verbracht, dort die Sprache gelernt und die Nationalhymne gesungen. Zudem besuche sie regelmäßig Frankreich und habe die vergangenen Feiertage in Courchevel und Saint-Tropez verbracht.

Ihre Kritik habe bereits vor dem Spiel begonnen, als Mbappé Äußerungen getätigt habe, die sie als herabsetzend gegenüber der paraguayischen Mannschaft empfand. Sie verwies auf seine Aussage, man müsse „die Hände in den Dreck stecken“ – das habe sie als Bezug auf das paraguayische Team verstanden. Auch der Satz, er wolle „den Frack ablegen“, habe für sie eine überhebliche Botschaft vermittelt.

„Wir sind nicht dumm – wir haben genau verstanden, dass der ‚Dreck‘ unsere Mannschaft war, und die Mannschaft steht für das ganze Land“, schrieb sie in dem Brief.

Darüber hinaus kritisierte sie sein Verhalten während der Begegnung: Er sei den paraguayischen Spielern gegenüber überheblich gewesen, habe sich abfällig geäußert und dem Torhüter am Ende die Hand verweigert.

„Der Händedruck zwischen Gegnern nach dem Spiel ist fast etwas Heiliges. Du hast ihm die Hand verweigert und ihm deinen Sieg ins Gesicht geschrien. In einem einzigen Moment hast du Geringschätzung, Arroganz und schlechte Manieren gezeigt“, schrieb sie.

Sein Verhalten habe nicht nur sie persönlich, sondern das ganze Land verletzt: „Das tat mir weh – und allen in Paraguay. Frankreich sollte das von dir einfordern, denn es ist ein Land der Ritterlichkeit, mit einer langen Geschichte und einem ausgeprägten Stil.“

Sie gab zu, ihre Beiträge unmittelbar nach dem Spiel „in der Hitze des Gefechts“ verfasst zu haben, später aber den Ton bereut zu haben.

Rücknahme der Äußerungen gefordert

Sie forderte Mbappé auf, seine Äußerungen ebenfalls zurückzunehmen: „Du kennst mich nicht, hast keine Ahnung, wer ich bin – und hast kein Recht, mich als verabscheuungswürdig und meines Amtes unwürdig zu bezeichnen.“

Sie wies darauf hin, dass sie sowohl als Abgeordnete als auch als Senatorin vom Volk gewählt worden sei und ihre Aufgabe darin bestehe, die Bürger Paraguays zu vertreten: „Ich repräsentiere mein Land, weil ich in freien Wahlen gewählt wurde. Du kannst nicht nachvollziehen, was es bedeutet, für das eigene Volk einzustehen und dessen Stimme zu sein.“

Seine Äußerungen stufte sie als politische und geschlechtsbezogene Gewalt ein: „Wer bist du, mich als unwürdig oder verabscheuungswürdig zu bezeichnen, obwohl du mich nicht kennst? Das ist reine Gewalt gegen Frauen und politische Gewalt gegenüber einer Frau, die sich durch die Stimmen des Volkes diese Position erarbeitet hat.“

Abschließend forderte sie den Spieler auf, seine Äußerungen zurückzunehmen und sich zu entschuldigen – andernfalls werde sie rechtliche Schritte prüfen: „Nimm deine Worte zurück, halte die Ehre deiner französischen Staatsbürgerschaft hoch und entschuldige dich bei mir. Solltest du das nicht tun, behalte ich mir rechtliche Schritte wegen geschlechtsbezogener Gewalt vor.“

Wochenblatt / Abc Color

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