Melgarejo: Die Fassade bröckelt: Jahrelang baute Nature-Invest-CEO Benedikt Michale mit schillernden Social-Media-Auftritten und strengen Schweigevereinbarungen ein makelloses Image auf. Doch das engagierte Bohren der unabhängigen Presse enthüllte schnell die Kehrseite des angeblichen Erfolgsmodells.
Während vor Gericht nun ein zäher Ringerfolg in Form eines Vergleichs bevorsteht und die Staatsanwaltschaft Villarrica die Schlinge enger zieht, wird es auf den Kanälen des Unternehmers verdächtig still – auch wenn hinter den Kulissen weiter versucht wird, das Ausmaß der Krise kleinzerreden.
Fassade aus Gold, Fundament aus Schweigen
Die Macht einer unabhängigen Presse zeigt sich im Fall Nature Invest einmal mehr in aller Deutlichkeit. Jahrelang stapelte deren CEO Benedikt Michale auf seinen eigenen Kanälen ein Wunder auf das nächste – so hoch, dass man fast meinen konnte, einen neuen König Midas vor sich zu haben, der Steine oder gar Zitronen in pures Gold verwandelt. Hinter den bunten Kulissen sah die Realität jedoch anders aus: Über Jahre hinweg nötigte er Kunden und Mitarbeitern Schweigegelübde ab und drohte damit, vertraglich zugesicherte Zahlungen sofort einzustellen, sollten interne Abläufe an Dritte gelangen. Selbst auf die ersten Medienberichte über die Klagen gegen sein Unternehmen reagierte er noch brüskiert, kopfschüttelnd und mit geballten Fäusten: Mit Verleumdungsklagen werde er gegen jene “Rufmörder“ vorgehen, die es gewagt hatten, an seinem makellosen Image zu kratzen.
Altbekanntes Drehbuch vor dem großen Knall
Nun, der aufmerksame Leser kennt dieses Muster. Die internationale Presse ist voll von solchen Fällen und tief gefallenen Unschuldsengeln. Auch bei spektakulären Bankenzusammenbrüchen lief das Drehbuch kaum anders ab: Lange Zeit versuchte man, den Medien die Schuld an der Misere zuzuschieben. Im Vergleich zu solchen Finanzskandalen ist Nature Invest freilich nur ein sehr kleiner Fisch. Wohl auch deshalb hat die Staatsanwaltschaft den Anwälten der Kläger noch einen letzten Spielraum für eine außergerichtliche Einigung eingeräumt.
Ein Vergleich als letzter Rettungsanker
Tatsächlich soll es in der kommenden Woche – nach fast zwei Monaten zäher Verhandlungen – zu einem Vergleich kommen. Demnach muss Michale Bürgschaften hinterlegen, die zumindest einen Teil seiner Schulden im Fall Jentgens absichern. Im Gegenzug gewinnt er sechs Monate Aufschub, um flüssige Mittel aufzutreiben und die Gesamtschuld zu begleichen. Für die Kläger ist das zwar nur ein schwacher Trost, angesichts der drohenden Insolvenz von Nature Invest aber immerhin besser als ein Totalausfall. Frei nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem D-A-CH – wobei es die Spatzen ohnehin längst von den D-Ä-CH-ern pfeifen.
Verdächtige Funkstille auf den eigenen Kanälen
Seit dem vorangegangenen Artikel des Wochenblatts (Lügen haben kurze Beine) ist es um Michale jedenfalls verdächtig still geworden. Keine neuen Videos mehr von seinen Affen oder Papageien, keine Aufnahmen seines wie eine Litfaßsäule in der Landschaft stehenden Büros, keine Zeichentrickschmetterlinge oder KI-generierten Bio-Lebensmittel. Die sachlichen Berichte über seine Netzwerke in der Schweiz und in Spanien dürften dem “kleinen Fisch“ schlicht die Sprache verschlagen haben.
Märchenstunde im privaten Chat
Oder stellt er sich einfach wieder einmal taub gegenüber der Realität? In privaten Nachrichten an seine Kunden behauptet er nämlich weiterhin, die Staatsanwaltschaft habe sämtliche beschlagnahmten Urkunden und Geräte längst zurückgegeben, die Anklage fallen gelassen und das Verfahren eingestellt. Im privaten Raum lässt es sich eben ungeniert flunkern, dass es eine wahre Freude ist.
Journalistisches Handwerk statt Luftschlösser
Einen fundierten Zeitungsartikel zu verfassen, ist hingegen deutlich anspruchsvoller. Dafür braucht es verlässliche Informationen – idealerweise aus erster Hand –, die bislang unbekannt und von öffentlichem Interesse sind. Jeder Text wird in der Redaktion gegengelesen und sorgfältig auf seinen Wahrheitsgehalt sowie seine rechtliche Haltbarkeit geprüft. Keine seriöse Zeitung kann es sich leisten, zu Recht als Lügenpresse gebrandmarkt zu werden. Zudem muss ein Beitrag hohen sprachlichen und journalistischen Standards genügen. So etwas lässt sich nicht mal eben zusammenzimmern wie eine Scheinwelt aus Telegram-Posts und fragwürdigen Verträgen – ganz im Stile eines Zauberers von Oz im Internetzeitalter.
Der Adler von Villarrica hat die Beute im Blick
Auch der zuständige Staatsanwalt, ein sehr belesener Mann übrigens, in Villarrica kennt den Unterschied zwischen Märchen und Lügen ganz genau. Wie ein Adler kreist er über dem D-A-CH der Nature Invest und stellt sich nur noch eine Frage: Wen schnappe ich mir zuerst, wen lade ich zuerst vor – das Fischlein oder sein Täubchen?
Wochenblatt / Leserzuschrift















